Gestern Mittag unterzeichneten der italienische Ministerpräsident Benito Mussolini und sein rumänischer Amtskollege General Alexandru Averescu im Palazzo Chigi einen umfassenden Freundschafts- und Zusammenarbeitsvertrag.[1][2] Der rumänische Regierungschef, der fließend Italienisch spricht und als glühender Bewunderer des Faschismus gilt, überreichte dem Duce aus diesem Anlass eine jüngst gefundene Goldmünze mit dem Bildnis des Kaisers Trajan.[3] Wie der Pariser Temps berichtet, war dem feierlichen Festakt eine beinahe zweistündige Unterredung der beiden Staatsmänner vorausgegangen.[4]
Bei einem anschließenden Frühstück betonte Mussolini den Willen beider Nationen zu enger Kooperation.[5] Italien bringe Disziplin und Arbeitslust in dieses Bündnis ein. Das durch den Weltkrieg erheblich vergrößerte Rumänien verfüge zudem über reiche Naturschätze wie Erdöl, Holz und Weizen.[3] Averescu erklärte in seiner Erwiderung, die Welt brauche in erster Linie Ordnung und soziale Harmonie.[5] Der faschistische Elan habe Italien einen unaufhaltsamen Schwung verliehen.[5] Gemäß dem Figaro betonte Averescu ferner, es sei „logisch und natürlich, dass sich ihre materiellen Interessen in derselben Weise durchdringen wie ihre politischen“.[1]
Politische Beobachter messen dem Vertrag erhebliche Bedeutung für die Machtverhältnisse in Osteuropa bei. Der Petit Parisien weist darauf hin, dass die rumänisch-italienischen Beziehungen unter Averescus Vorgänger stark gelitten hatten; nun jedoch gewinne Rom neben Paris seine politische Bedeutung für Osteuropa zurück.[3] Eine heikle diplomatische Klippe wurde dabei bewusst umgangen. Nach Angaben des Lavoro d'Italia und des Giornale d'Italia enthält das Dokument keine Bestimmungen zur umstrittenen Bessarabienfrage, da Italien die Pariser Konvention von 1920 bisher nicht ratifiziert hat.[5][4] Die Tribuna sieht den Hauptwert des Paktes stattdessen darin, dass Italien nunmehr indirekt in der Kleinen Entente präsent ist und seine Balkaninteressen wirksamer wahren kann.[5] Derweil bereiten Sonderkommissionen einen weitreichenden Handelsvertrag vor. Für das kommende Frühjahr wurden gegenseitige Besuche der Königspaare anberaumt, um die neuen diplomatischen Bande zu festigen.[1][5]