Nach offiziösen Darstellungen aus Damaskus hat sich die Lage in Syrien während der vergangenen zwei Monate erheblich gebessert.[1] Die Kölnische Zeitung meldet, dass dieser Umschwung insbesondere seit der Einnahme der strategisch wichtigen Orte Suweda (Suwayda) und Salkhad (Salchad) spürbar sei.[1] Die französischen Truppen haben das Gebiet weitgehend durchkämmt. Dadurch wurde die Unterwerfung der aufständischen Stämme nahezu vollständig erreicht.[1] Lediglich der Drusenführer Sultan Atrasch (Sultan al-Atrasch) leistet mit seinen letzten Getreuen und schätzungsweise 300 bis 500 bezahlten Reitern noch hartnäckigen Widerstand.[1] Er weicht den regulären französischen Verbänden systematisch aus. Zur Flucht nutzt er sowohl die Weite der Wüste als auch die unübersichtliche Grenze zu Transjordanien, um bei drohender Umzingelung rasch zu entkommen.[1] Unterdessen ist der Verkehr auf den Überlandstraßen, darunter auch auf der wichtigen Wüstenroute von Damaskus nach Palmyra, wieder aufgenommen worden.[1]

Trotz dieser militärischen Erfolgsmeldungen bildet sich in Europa politischer Widerstand gegen den andauernden Einsatz. Aus dem Hamburger Echo ist zu entnehmen, dass der französische Bergarbeiterkongress eine scharfe Resolution gegen die fortgesetzten Feldzüge in Syrien und Marokko beschlossen hat.[2] Die Delegierten sehen in dem militärischen Konflikt einen klaren Widerspruch zu den viel gerühmten Abkommen von Locarno; dies gilt besonders im Zusammenhang mit der feierlichen Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund.[2] Der Kongress vertritt die Ansicht, dass bereits genügend Blut vergossen wurde. Das gesamte organisierte Proletariat habe daher die Pflicht, gegen das weitere Morden zu protestieren.[2] Es erfolgt ein Appell an die 24 Millionen Mitglieder der Amsterdamer Gewerkschaftsinternationale, die Regierungen der beteiligten Staaten zum Handeln zu bewegen und das Sterben umgehend zu beenden.[2]

In Moskau nutzt die Presse die fortdauernden Kämpfe zu scharfen ideologischen Angriffen. Nach Angaben der Prawda stellt die sowjetische Führung den friedlichen Reden vor dem Völkerbund die blutige Wirklichkeit in den Kolonien gegenüber.[3] Während in Genf der Friede beschworen werde, feuere in Marokko die französische und spanische Artillerie. Auf den Schlachtfeldern um Suweda und Damaskus komme es zu schweren Verlusten unter der einheimischen Bevölkerung.[3] Darin liege, so das Moskauer Blatt, weit mehr historische Wirklichkeit als in den Ansprachen der europäischen Außenminister.[3]