In der bayerischen Landeshauptstadt ist die Polizei in der Nacht zum Freitag mit einem starken Aufgebot gegen die örtliche Organisation der Kommunistischen Partei vorgegangen.[1][2] Wie das Berliner Tageblatt meldet, drangen Kriminalbeamte und uniformierte Schutzpolizei um halb neun Uhr abends in die Verlags- und Redaktionsräume der kommunistischen Neuen Zeitung ein.[1] Gleichzeitig wurde eine laufende Sitzung der südbayerischen Bezirksleitung der KPD aufgelöst. Die Beamten unterzogen dabei alle anwesenden Parteifunktionäre einer strengen körperlichen Untersuchung.[1][2]

Im Mittelpunkt der polizeilichen Maßnahmen stand der kommunistische Reichstagsabgeordnete Buchmann, der die bayerische Parteiorganisation leitet.[1] Da er sich unter nachdrücklichem Hinweis auf seine parlamentarische Immunität einer Leibesvisitation widersetzte, wurde er zusammen mit zwei weiteren Personen festgenommen und in das Polizeipräsidium abgeführt.[1] Anschließend durchsuchten die Ermittler sowohl sein privates Büro als auch seine Wohnung.[1][2] Der Gewahrsam dauerte jedoch nur wenige Stunden an, bevor der Abgeordnete wieder auf freien Fuß gesetzt wurde.[1][2]

Über die genauen Hintergründe der großangelegten Aktion gaben die amtlichen Stellen in München zunächst keine formelle Erklärung ab.[1] Dem Hamburger Echo zufolge diente das polizeiliche Vorgehen in erster Linie der Suche nach Propagandamaterial für den sogenannten ‚Kongress der Werktätigen‘.[2] Den festgenommenen Funktionären werde erneut der Vorwurf des Hochverrats gemacht.[2] Die zahlreichen Hausdurchsuchungen endeten mit der Beschlagnahmung verschiedener Bücher und Schriften.[1]

Die Razzia reiht sich in eine Serie polizeilicher Maßnahmen gegen linke Organisationen in Bayern ein. Erst in dieser Woche untersagte die Münchener Polizeidirektion den Aushang eines Werbeplakates des Deutschen Verkehrsbundes.[2] Ferner wurde ein für den Sonntag geplantes Standkonzert von Zürcher Arbeitermusikern verboten, weil die Veranstaltung nach Auffassung der Behörden einen politischen Charakter habe und das republikanische Reichsbanner daran teilnehmen wolle.[2]