Die jüngsten Abreden zwischen Außenminister Stresemann und seinem französischen Amtskollegen Briand in Genf werfen dunkle Schatten auf die finanzielle Stabilität des Reiches. Wie die Deutsche Allgemeine Zeitung berichtet, steht die deutsche Wirtschaftspolitik in absehbarer Zeit vor einer „außerordentlich schwerwiegenden Entscheidung“.[1] Falls Frankreich politische Konzessionen machen sollte, wird von Deutschland im Gegenzug eine immense finanzielle Leistung verlangt — konkret die Begebung von deutschen Reparationsobligationen in noch unbestimmter Höhe.[1]
Ziel dieser Pläne ist die Stabilisierung des französischen Franken. Paris dürfte hierfür mindestens eine Milliarde beanspruchen.[1] Einer solchen Emission, die die Aufnahmefähigkeit der internationalen Kapitalmärkte auf eine harte Probe stellen würde, müsste jedoch zunächst das Transferkomitee zustimmen.[1] Der französische Vertreter Parmentier befürwortet diesen Gedanken bereits seit geraumer Zeit. Demgegenüber hat der amerikanische Reparationsagent Parker Gilbert seine Zustimmung bislang verweigert.[1]
Darin sehen viele Beobachter die eigentliche Bedrohung für die deutsche Währung. Um die Obligationen überhaupt auf dem internationalen Markt platzieren zu können, müssten Verzinsung und Amortisation vollständig transferfrei gestellt werden.[1] Dies würde bedeuten, dass der Reparationsagent seine Pflicht aufgäbe, deutsche Barzahlungen nur im Rahmen jener Devisenüberschüsse zu leisten, welche die heimische Wirtschaft erzielt.[1] Das Kernstück der Dawes-Regelung, dessen Hauptzweck im Schutz der Währung liegt, wäre damit durchbrochen.[1] Kein Anleger im Ausland würde die Papiere zeichnen, wenn die Gefahr bestünde, dass der Agent später aus Rücksicht auf die deutschen Wirtschaftsnotwendigkeiten die Transfers beschränken könnte.[1] Fiele dieser Transferschutz weg, wäre die Währung nach Ansicht der Beobachter akut gefährdet, da auch andere Gläubiger künftig ähnliche Ausnahmen verlangen könnten.[1]