In Bulgarien greift die Regierung derzeit mit äußerster Härte gegen die kommunistische Arbeiterjugend durch.[1] Während das Kabinett von Ministerpräsident Ljaptschew (Andrei Ljaptschew) nach außen hin betont, das Land strebe vor allem eine innere wirtschaftliche Festigung ohne territoriale Veränderungen an, ist es bemüht, die regionalen Beziehungen auf dem Balkan zu stabilisieren.[2] Im Inneren zeigt sich jedoch ein Bild massiver staatlicher Verfolgung.
Wie die Moskauer Prawda unter Berufung auf Meldungen aus Sofia berichtet, deuten die jüngsten Massenverhaftungen darauf hin, dass die bulgarische Regierung nunmehr systematisch einen lang gehegten Plan zur Unterdrückung des Komsomol in die Tat umsetzt.[1] Den unmittelbaren Anlass für das jüngste Vorgehen der Behörden bildeten laut diesen Berichten die Feierlichkeiten zum Internationalen Jugendtag. Bei diesen hatten die bulgarischen Komsomolzen eine rege Agitation zur Sammlung der Arbeiterjugend entfaltet.[1]
Die staatlichen Repressionen beschränken sich jedoch nicht auf die Hauptstadt, sondern haben beinahe das gesamte Land erfasst.[1] Selbst die bürgerliche bulgarische Presse bestätigt inzwischen die Festnahme zahlreicher Mitglieder und Organisatoren der kommunistischen Jugend in verschiedenen Provinzstädten.[1]
Besonders aus Philippopel dringen alarmierende Nachrichten an die Öffentlichkeit, wo die örtliche Komsomol-Organisation offenbar vollständig ausgehoben wurde.[1] Die Polizei behauptet, der Leiter der dortigen Sektion, ein Mann namens Gitschew, sei über die Grenze ins Ausland geflohen.[1] In oppositionellen Kreisen wird vermutet, er sei in Wahrheit bereits von den Sicherheitskräften getötet worden.[1]
Vor diesem Hintergrund erscheint die offizielle Erklärung der bulgarischen Polizeidirektion eigentümlich, man tue alles Mögliche, um das Los der verhafteten Jugendlichen „zu erleichtern“.[1] Dem Zeitungsbericht zufolge werden dagegen in den Gefängnissen schwerste Misshandlungen verübt.[1] So seien acht inhaftierte Gymnasiasten grausamen Folterungen unterworfen worden, wobei ein namentlich genannter Schüler, Iwan Todorow (Ivan Todorov), an den Folgen der erlittenen Qualen in der Haft gestorben sei.[1]