Die aus Spanien eintreffenden Berichte über eine Konzession für den transatlantischen Luftschiffverkehr zwischen Sevilla und Buenos Aires haben sich offiziell bestätigt.[1] Wie die Deutsche Allgemeine Zeitung meldet, ging beim Luftschiffbau Zeppelin ein Telegramm der Gesellschaft „Colon“ ein.[1] Demnach hat ein königliches Dekret in Madrid nicht nur die Konzession erteilt, sondern auch eine Subvention von 30 Millionen Pesetas für fünf Jahre ab der Betriebseröffnung bewilligt.[1] Dies entspricht nach derzeitigem Kurs rund 19 Millionen Mark.[1]
Die Bedeutung dieses Entschlusses liegt vor allem darin, dass sich zum ersten Mal ein europäischer Staat bereitgefunden hat, beträchtliche staatliche Mittel für eine interkontinentale Flugroute bereitzustellen.[1] Bei jährlich zwölf geplanten Überfahrten rechnet man mit einem Zuschuss von 500.000 Pesetas pro Reise.[1]
Das ehrgeizige Projekt blickt auf eine längere Vorgeschichte zurück. Bereits 1921 wurde unter Beteiligung spanischer Reedereien eine Studiengesellschaft gegründet. Anlass war, dass Dr. Hugo Eckener die Möglichkeiten einer solchen Verbindung vor Fachleuten in Madrid dargelegt hatte.[1] Eine meteorologische Kommission prüfte daraufhin die klimatischen Bedingungen über dem Südatlantik und untersuchte die Eignung der Häfen.[1] Die Verhandlungen verzögerten sich über Jahre, hauptsächlich wegen der unsicheren politischen Verhältnisse der jüngeren Vergangenheit und des ehemals unklaren Schicksals der Friedrichshafener Werft.[1]
Der Betrieb soll laut den Vorgaben der spanischen Regierung spätestens im Herbst 1929 eröffnet werden.[1] Die Fahrt nach Argentinien wird voraussichtlich viereinhalb Tage in Anspruch nehmen. Dies stellt eine erhebliche Verkürzung gegenüber den 20 Tagen der schnellsten Überseedampfer dar.[1] Für die erste Phase des Betriebs ist der Einsatz des aus Spendengeldern finanzierten Neubaus „L. Z. 127“ vorgesehen.[1]
Dieses von Direktor Dr. Dürr konstruierte Schiff wird mit einem Volumen von 105.000 Kubikmetern das erfolgreiche Amerikaschiff „Z. R. III“ um die Hälfte übertreffen und eine Nutzlast von 15 Tonnen befördern können.[1] Ob die künftigen, für das Projekt vorgesehenen größeren Luftschiffe für den regulären Liniendienst am Bodensee oder auf einer neu zu errichtenden Werft in Spanien gebaut werden, ist abschließend noch nicht geklärt.[1]