Ohne das Zutun bemühter Ästhetik ist der neue Witzlebensender wie von selbst zum Wahrzeichen der Reichshauptstadt avanciert.[1] Wie die Badische Presse anmerkt, entfaltet dieser Funkturm eine architektonische Wirkung, die an das Ingenieurtum der Gotik erinnert. Dabei nimmt er den massiven Stahlkonstruktionen ihre Schwere.[1] Dies steht im scharfen Kontrast zum vor dem Kriege errichteten Turm des neuen Stadthauses, der von seinem Erbauer zwar als Wahrzeichen Berlins ersonnen worden war, jedoch im Leben der Stadt bedeutungslos blieb.[1] Die gelehrte, lebensfremde Bildungskunst der alten Schule vermag einer Metropole offenbar kein Gesicht mehr zu geben — es bedarf der wagemutigen Bejahung des modernen Lebens.[1]
Diese bauliche Erneuerung durchzieht das gesamte Stadtbild. Nach Angaben der Deutschen Allgemeinen Zeitung erlebt die Bahnhofsanlage am Nollendorfplatz eine umfassende Neugestaltung.[2] Hinter Bretterwänden entsteht dort eine geschmackvolle Eingangshalle, die mit abgetönten gelben Kacheln aus Karlsruhe verkleidet wird. Sie beherbergt eine runde Kuppelhalle als Ehrenhof für die gefallenen Angehörigen der Hochbahngesellschaft.[2]
Auch im Bereich der Privatbauten dominiert zunehmend die klare Form. Von den großen Projekten ist ein Wolkenkratzer zu nennen, den ein Zeitungsverlag für seinen Druckereibetrieb in Tempelhof errichtet.[1] Noch elementarer wirkt die Fabrik der Parfümerie Scherl, die von dem Hamburger Architekten Höger entworfen wurde. Hier verzichtet er auf malerische Details, wie sie an seinem berühmten Chile-Haus zu finden sind.[1] Zugleich entstehen neue Wohnsiedlungen: Bruno Taut baut im Schillerpark, während Salvisberg am Botanischen Garten neue Miets- und Einfamilienhäuser konzipiert. Diese Projekte beweisen, dass fähige Städtebauer der Vielfalt heutiger Probleme nicht weichen.[1] Taut zeigt bei seinen Bauten, dass die Hervorkehrung der ungeschönten Eisenbetonkonstruktion selbst architektonische Wucht entfalten kann, ohne sich in überflüssigen Verzierungen zu verlieren.[1]