Die Reichsregierung hat mit der Berliner Hotelgesellschaft ein Abkommen über den Erwerb des bekannten Hotels „Der Kaiserhof“ geschlossen.[1] Wie aus einem amtlichen Bericht hervorgeht, beträgt der Kaufpreis 8¼ Millionen Mark.[1] In das Gebäude sollen künftig jene Zentralbehörden einziehen, die bisher fernab des Regierungsviertels untergebracht sind.[1] Das Reichsfinanzministerium begründet den Ankauf in einer Erklärung mit der dringend notwendigen Vereinheitlichung der Verwaltung.[2] Der Vertrag bedarf indes noch der Zustimmung der gesetzgebenden Körperschaften sowie der Generalversammlung der Hotelgesellschaft.[1]
In den parlamentarischen Kreisen, die sich derzeit in den Ferien befinden, hat die überraschende Nachricht erhebliches Befremden ausgelöst.[2] Da sich der Großteil der Abgeordneten nicht in Berlin aufhält, wird die Geheimhaltung, mit der das Geschäft bis zum Abschluss betrieben wurde, scharf kritisiert.[2] Man wirft der Regierung vor, bei den führenden Parlamentariern nicht rechtzeitig angefragt zu haben. Diese wurden dadurch vor vollendete Tatsachen gestellt.[2]
Dem Berliner Tageblatt zufolge ist es keineswegs sicher, dass der Reichstag dem Projekt zustimmen wird.[2] Das Blatt verweist darauf, dass in unmittelbarer Nähe des Regierungsviertels stattliche Amtsgebäude — darunter das ehemalige preußische Kriegsministerium — ungenutzt leerstünden.[2] Überdies wird gefordert, in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit die beträchtliche Summe von über acht Millionen Mark besser für Neubauten zu verwenden, um damit Arbeitssuchenden eine Beschäftigung zu verschaffen.[2]