Die anhaltenden Spannungen in Osteuropa haben einen neuen, bedenklichen Höhepunkt erreicht. Wie das Harburger Tageblatt unter Berufung auf Nachrichten der Agentur Central News aus Kowno (Kaunas) meldet, beobachtet die litauische Regierung mit wachsender Sorge eine Konzentration polnischer Truppen an der Grenze.[1] Angesichts dieser Entwicklung hat das litauische Kabinett weitreichende diplomatische Schritte eingeleitet.[1]
Laut den vorliegenden Berichten wurden sämtliche litauischen Gesandten im Ausland beauftragt, die Regierungen ihrer jeweiligen Gastländer auf die Truppenbewegungen Warschaus aufmerksam zu machen.[1] Dies soll durch ein offizielles Memorandum geschehen, das sie den ausländischen Kabinetten vorlegen.[1] In diesem Dokument erhebt Litauen schwere Vorwürfe gegen den Nachbarstaat. Die polnische Regierung wird darin ausdrücklich beschuldigt, durch die Truppenzusammenziehungen an der Grenze den Frieden in Europa zu gefährden.[1]
Die diplomatische Initiative Kownos verdeutlicht die angespannte Grundstimmung, welche das Verhältnis beider Staaten weiterhin belastet, nicht zuletzt wegen der ungelösten territorialen Konflikte.