Die zähen Bemühungen um den Zusammenschluss der europäischen Schwerindustrie haben einen schweren Rückschlag erlitten. Die am 17. September in Paris geführten Verhandlungen zur Gründung eines europäischen Stahlkartells sind vorerst gescheitert, da die belgischen Hüttenbesitzer auf ihrer unnachgiebigen Haltung beharren.[1] Die Vertreter der deutschen, französischen und luxemburgischen Stahlwerke sahen sich nicht in der Lage, die weitreichenden belgischen Forderungen zu erfüllen.[2] Die Schaffung eines solchen Kartells gilt in Wirtschaftskreisen als dringlicher Schritt, um die drückende Überproduktion auf dem europäischen Kontinent zu steuern und einen ruinösen Preiskampf zu verhindern. Die belgischen Industriellen haben durch ihre ablehnende Haltung den vorläufigen Zusammenbruch des Vertragswerks herbeigeführt. Vom Unmut ihrer Nachbarn zeigen sie sich jedoch unbeeindruckt.[1]

Im Mittelpunkt des Konflikts steht die genaue Kontingentierung der Produktionsmengen. Wie der Temps meldet, verlangen die belgischen Industriellen ein Produktionskontingent von 290.000 Tonnen, während ihnen die Verhandlungspartner lediglich 265.000 Tonnen zugestehen wollten.[1] Um diese erhebliche Differenz zu überbrücken, unterbreiteten die ausländischen Delegierten in Paris einen Kompromissvorschlag.[1] Dieser sah vor, dass die belgischen Werke zwar die geringere Basisquote von 265.000 Tonnen akzeptieren, ihnen im Gegenzug aber eine absolute Priorität bei der Zuteilung künftiger Aufträge eingeräumt wird.[1] Auf diese Weise sollte sichergestellt werden, dass die belgische Industrie ihr zugewiesenes Kontingent voll ausschöpfen kann.[1]

Die belgischen Delegierten traten daraufhin im Brüsseler Stahlsyndikat zusammen, um die Pariser Vorschläge eingehend zu prüfen.[2] Dem Figaro zufolge kamen die Industriellen jedoch zu dem Schluss, dass die angebotene Auftragspriorität den Produktionsausfall von 25.000 Tonnen wirtschaftlich nicht aufwiegt.[2] Sie halten deshalb beharrlich an ihrer Forderung nach einer deutlich höheren Zuteilung fest.[2] Die Türen für eine Einigung erscheinen allerdings nicht endgültig verschlossen. Die belgischen Vertreter beabsichtigen, ihren Kollegen einen Gegenentwurf zu übermitteln, der die Bedingungen des ursprünglichen Angebots in umgekehrter Form aufgreift.[2] Die endgültige Antwort aus Brüssel soll noch am heutigen Abend formuliert werden.[2]

Während die kontinentaleuropäischen Verhandlungen ins Stocken geraten sind, werden an anderer Stelle neue wirtschaftliche Kontakte vorbereitet. Nach Angaben des Figaro, der sich hierbei auf deutsche Quellen beruft, wird im kommenden Monat in London eine Konferenz zwischen britischen und deutschen Industriellen stattfinden.[2] Diese Zusammenkunft ist das direkte Ergebnis kürzlich erfolgter Meinungsaustausche zwischen der Führung der britischen Industrievereinigung und dem Präsidenten des Reichsverbandes der Deutschen Industrie.[2] Die europäische Montanindustrie bleibt dadurch in Bewegung. Es bleibt abzuwarten, ob der Druck dieser britisch-deutschen Kontaktaufnahme die verhärteten Fronten im Stahlkartellkonflikt aufweichen kann.[2]