Kurz vor seiner Abreise aus dem sommerlichen Ferienlager im White Pine Camp hat der amerikanische Präsident ein für amerikanische Verhältnisse bemerkenswertes Zeitdokument geschaffen.[1] Wie die Washington Post berichtet, gewährte Calvin Coolidge seinem persönlichen Freund, dem Publizisten Bruce Barton, ein informelles Interview.[1] Dabei wich der Präsident von der strengen Tradition ab, sich stets hinter der anonymen Maske des sogenannten 'Offiziellen Sprechers' zu verbergen.[1] Er erlaubte stattdessen erstmals die direkte Zitierung seiner privaten Aussagen und wollte der Bevölkerung so die menschliche Seite des Amtsinhabers zeigen.[1]

Der Text gewährt Einblicke in das Leben des oft unnahbar wirkenden Staatsoberhauptes. Ein Vater ließ seine vierjährige Tochter auf den Stufen des Regierungsgebäudes warten, damit sie dem Präsidenten einen Strauß Wildblumen überreichen konnte.[1] Coolidge nahm die Blumen lächelnd entgegen und stellte sie später selbst in eine Vase im Wohnzimmer.[1] Seine beiden weißen Collies, Rob Roy und Prudence Prim, liegen ihm besonders am Herzen.[1] Sie sprangen ihn am Kamin mit schmutzigen Pfoten an. Ein solches Verhalten duldet er offenbar mit Nachsicht und belohnt die Tiere mit Leckerbissen am Tisch.[1]

Auf die Frage nach seinen sportlichen Vorlieben erklärte Coolidge, er verzichte in Washington auf das Reiten, da das Umziehen zu viel Zeit beanspruche.[1] Als Bauernsohn sei er in seiner Jugend jedoch oft geritten und habe zudem Tennis sowie Baseball gespielt.[1] Auch Golf spiele er heute nur selten, da auswärtige Unternehmungen leicht übertrieben würden.[1] Seine bevorzugte körperliche Betätigung sei der zügige Spaziergang, der seinen Kreislauf anrege.[1]

Aus der Los Angeles Times geht ferner hervor, wie Coolidge seinen intellektuellen Alltag gestaltet.[2] Für zeitgenössische Romane fehle ihm die Zeit; stattdessen bevorzuge er Biografien und historische Werke.[2] Unter den biblischen Schriften hob er besonders die Briefe des Apostels Paulus hervor.[2] Zu den historischen Persönlichkeiten zählt George Washington für ihn am meisten, gefolgt von Abraham Lincoln.[2] Zum Thema akademische Bildung äußerte sich der Präsident ebenfalls: Ein Universitätsstudium solle junge Menschen nicht notwendigerweise in überlaufene akademische Berufe drängen, sondern sie befähigen, in jeder gewählten Tätigkeit ihr Bestes zu leisten.[2]

Den Washingtoner Pressevertretern stellte Coolidge abschließend ein makelloses Zeugnis aus.[2] Nach Angaben der kalifornischen Zeitung bezeichnete er die Korrespondenten als aktiv, fleißig und präzise.[2] Zudem sei er bei öffentlichen Auftritten nicht mehr nervös, und seine Hände seien durch das ständige Händeschütteln mit den Bürgern inzwischen abgehärtet.[2]