Die Aufräumarbeiten im südöstlichen Florida haben eine Woche nach dem verheerenden Tropensturm in vollem Umfang begonnen. Nachdem die meisten geborgenen Todesopfer bestattet wurden, konzentrieren sich die zivilen und militärischen Behörden nun auf die dringend gebotene Versorgung der zahlreichen Verletzten und Obdachlosen.[1] Wie die Los Angeles Times aus dem Katastrophengebiet berichtet, steht die schwer getroffene Region vor der gigantischen Aufgabe, die immensen Verwüstungen des Hurrikans Straßenzug für Straßenzug zu beseitigen.[1] Die Zerstörung von privatem Eigentum und öffentlicher Infrastruktur nimmt historische Ausmaße an; erste Schätzungen beziffern den rein wirtschaftlichen Verlust auf die enorme Summe von 600 Millionen Dollar.[1]

Trotz der desaströsen Lage bemüht sich die Handelskammer von Miami um öffentliche Zuversicht. Die Wirtschaftsvertreter gaben bekannt, die Stadt werde zweifellos in der Lage sein, den für die Region überlebenswichtigen Touristenverkehr im kommenden Winter "wie gewohnt" zu bewältigen.[1] Nach Angaben der Washington Post weigert sich das tapfere Florida jedoch, das wahre Ausmaß seiner strukturellen Wunden einzugestehen.[2] Die Hauptstadtpresse warnt eindringlich davor, dass die vollständige Zahl der Toten noch lange nicht ermittelt sei und angesichts der weggespülten Siedlungen womöglich niemals ganz geklärt werden könne.[2]

Offiziell haben die staatlichen Gesundheitsbeamten bislang 94 Todesfälle bestätigt, doch täglich werden in den Trümmern von Orten wie Hollywood und Miami Beach weitere Opfer gefunden.[1] Die humanitäre Notlage ist gravierend — allein im Bezirk Moorehaven, der weit abseits der mondänen Küste liegt, sollen 20.000 Menschen ihre Unterkünfte und ihre Lebensgrundlage verloren haben.[1] Um einen Ausbruch von Epidemien zu verhindern, trafen die Militär- und Gesundheitsbehörden in den vergangenen Tagen strenge Schutzmaßnahmen.[1] Sie ordneten die rasche Evakuierung der am schwersten betroffenen Stadtteile an, damit die sanitären Verhältnisse wiederhergestellt werden können.[1]

Während Florida mit den Folgen der Naturgewalt ringt, bildet sich im übrigen Land eine beachtliche Hilfswelle. Die Spenden werden nahezu ausschließlich dem Amerikanischen Roten Kreuz zur Verteilung übergeben.[1] Der Vorsitzende der nationalen Hilfsorganisation, John Barton Payne, entsandte dringende Aufrufe an die regionalen Niederlassungen, um die Finanzierung der Rettungsarbeiten sicherzustellen.[1] Der Aufruf fand sofortiges Gehör: Der Bürgermeister von Los Angeles, George E. Cryer, wandte sich in einer offiziellen Proklamation an die Bürgerschaft und forderte finanzielle Unterstützung für die südöstliche Schwesterregion.[1] Er rief zudem zur Teilnahme an einer großen Benefizveranstaltung im Metropolitan Theater auf, deren gesamter Erlös den Opfern der Katastrophe zufließen soll.[1]

Auch im übrigen Land öffnen sich die Geldbeutel der Bürger. In Kalifornien beschloss die Rotkreuz-Abteilung des Kings County ebenso rasche Hilfsgelder wie die lokale Elks-Loge, während die Bürger von Chicago bereits eine Summe von fast 20.000 Dollar aufbrachten.[1] In der Gemeinde Santa Barbara kamen binnen kürzester Zeit über 4.000 Dollar zusammen; weitere Spendenaktionen von Frauenvereinen und Geschäftsclubs dauern an.[1] Die Washington Post kündigt derweil an, das öffentliche Bewusstsein für die noch nicht überstandene Tragödie zu stärken, und veröffentlicht in ihrer Wochenendausgabe eine ganzseitige Bilddokumentation, welche die Verwüstungen durch Wind und Fluten offenlegen wird.[2]