Die Berliner Parteiorganisation der Sozialdemokratie veranstaltete am Sonntagvormittag eine feierliche Trauerkundgebung für das verstorbene Mitglied des Parteivorstandes, Richard Fischer.[1] Auf Einladung des Bezirksvorstandes versammelte sich ein großer Kreis von Anhängern im Blüthner-Saal, um das Andenken des Politikers zu ehren, der am Samstag bestattet worden war.[2]

Die Veranstaltung wurde durch das Berliner Sinfonieorchester mit Ludwig van Beethovens Ouvertüre zu Coriolan eingeleitet.[2] Im Mittelpunkt der Feier stand eine Gedenkrede des Reichstagsabgeordneten Hermann Müller-Franken. Er zeichnete ein umfassendes Bild von Fischers Lebenswerk.[2][1] Dem Vorwärts zufolge erinnerte Müller-Franken daran, dass Fischer fünf Jahrzehnte lang seine gesamte Kraft dem Sozialismus gewidmet habe.[2] Fischer, der aus einer katholischen Familie in Schwaben stammte und gelernter Setzer war, wurde bereits 1878 Redakteur an der Berliner Freien Presse.[2] Schon bald musste er wegen seiner Publikationen eine siebenmonatige Gefängnisstrafe antreten, die er im Winter 1878/79 in der Haftanstalt am Plötzensee verbüßte.[2]

Nach dem Hamburger Echo stand Fischer besonders in der schweren Zeit des Sozialistengesetzes an vorderster Kampflinie.[1] Nach seiner Ausweisung fand er zunächst in Süddeutschland und später in der Schweiz Arbeit. Dort wirkte er maßgeblich am Sozialdemokrat mit.[2] Als die Schweizer Regierung auf Druck Bismarcks Ausweisungen durchführte, ging Fischer mit Eduard Bernstein nach London. Dort schloss er sich dem Kreis um Friedrich Engels an.[2]

Nach dem Fall des Sozialistengesetzes kehrte Fischer nach Deutschland zurück. Später übernahm er die Leitung der Druckerei des Vorwärts, die er mit großem Einsatz förderte.[2] Seit 1893 gehörte er dem Reichstag an und profilierte sich durch seinen unerbittlichen Kampf gegen die sogenannte ‚Zuchthausvorlage‘.[2] Müller-Franken schloss seine Rede mit Fischers eigenem Leitspruch vom Nürnberger Parteitag 1898: „Für die Partei kann man alles!“[2] Mit dem Trauermarsch aus Beethovens Eroica fand die würdige Feier ihren Abschluss.[2]