Nach Berichten des Londoner Daily Chronicle ist für den kommenden Mittwoch eine gemeinsame spanisch-italienische Flottendemonstration vor Tanger anberaumt.[1][2] Laut dem Nieuwe Rotterdamsche Courant sollen daran zwei große italienische Kriegsschiffe — darunter das derzeit in Gibraltar liegende Flaggschiff eines Konteradmirals — sowie eine spanische Einheit teilnehmen.[1] Bei dem spanischen Kriegsschiff handelt es sich vermutlich um die Alphonso XIII.[1]

Dieses Manöver hat offenkundig den Zweck, die einheimische Bevölkerung zu beeindrucken und gleichzeitig Frankreich sowie England Entschlossenheit zu zeigen.[2] Die Flottenbewegung soll verdeutlichen, dass der spanische Machthaber Primo de Rivera keine leeren Worte sprach, als er kürzlich die uneingeschränkte Herrschaft über Tanger für Spanien forderte.[1] Das gemeinsame Vorgehen signalisiert zudem, dass Italien die spanischen Ansprüche auf das marokkanische Küstengebiet diplomatisch und militärisch unterstützt.[1][2]

In Londoner Diplomatenkreisen verursacht diese Nachricht erhebliche Beunruhigung. Das Berliner Tageblatt meldet, man werde dort durch das eigenmächtige Vorgehen unwillkürlich an die Krise von Agadir erinnert.[2] Nicht nur Frankreich, sondern auch Großbritannien ist sehr daran interessiert, jede Bestrebung einer Neuverteilung der marokkanischen Küste rasch zu verhindern.[2] Unterdessen fordern die in Marokko tätigen französischen Behörden ihr Außenministerium in Paris zu Maßnahmen auf, die Flottenkundgebung noch zu verhindern.[1] Sie befürchten, ein derartiges martialisches Schauspiel könnte die marokkanischen Einheimischen gegen die französische Schutzmacht aufstacheln.[1]