In der Reichshauptstadt wurde die Internationale Polizeikonferenz eröffnet, die Fachdelegationen aus zahlreichen Ländern in Berlin zusammenführt. Die Ausrichtung derartiger Großereignisse und der damit verbundene Andrang ausländischer Gäste rücken jedoch die repräsentativen Kapazitäten der Stadt in ein kritisches Licht.

Während Berlin bemüht ist, als Gastgeber für internationale Kongresse aufzutreten, nehmen die adäquaten Unterbringungsmöglichkeiten ab. Laut der Kölnischen Zeitung zeigt sich dieser Mangel besonders angesichts der jüngsten Erwerbung des weltbekannten Hotels Kaiserhof durch die Reichsfinanzverwaltung als akut.[1] Die Behörde plant, den freistehenden Bau an der Wilhelmstraße, der dem Viertel seinen weltstädtischen Charakter verleiht, in einen "nüchternen Kasten voll Amtsstuben" umzuwandeln.[1]

Aus der Berichterstattung des rheinischen Blattes geht hervor, dass dieser große Palast historisch eng mit der diplomatischen Geschichte Berlins verbunden ist.[1] Bereits während des Berliner Kongresses im Jahre 1878 residierte dort eine Vielzahl ausländischer Diplomaten.[1] Das im Jahr 1873 erbaute und nach einem Brand 1875 neu errichtete Hotel galt bislang als echtes "Wahrzeichen vom Aufstieg und Wohlstand Berlins".[1]

Die Kölnische Zeitung gibt zu bedenken, dass die Hauptstadt nicht über einen Überfluss an großen, eleganten Hotels verfügt, die dem viel bemühten "internationalen Fremdentum" gewachsen wären.[1] Daher stelle der Verlust des Hauses, in dem einst die Feste der Berliner Gesellschaft stattfanden, einen unwiederbringlichen Schaden für die internationale Anziehungskraft der Metropole dar.[1]