Der innerparteiliche Konflikt der Kommunistischen Partei Deutschlands hat eine bisher nicht gekannte Heftigkeit erreicht.[1] Die sogenannte Aktion der Siebenhundert hat den Stein endgültig ins Rollen gebracht und die Parteiführung in schwerste Bedrängnis versetzt.[1] Im Mittelpunkt der Auseinandersetzungen steht die sogenannte ‚Weddinger Opposition'.[1] Der Berliner Bezirk Wedding galt in der kommunistischen Parteisprache stets als der proletarische Mittelpunkt der Weltgeschichte.[1] Hier hatten Ruth Fischer und Arkadi Maslow in jahrelanger Arbeit die Fronde der Proletarier gegen die Intellektuellen in der eigenen Partei organisiert.[1] Da es sich bei den aufbegehrenden Kräften um die kommunistischen Kerntruppen handelt, kündigt sich ein Massenabmarsch der bisherigen Hauptkader an.[1]

Wie sehr der Schreck den Parteiführern in die Glieder gefahren ist, zeigte kürzlich ein wehleidiger Artikel Wilhelm Piecks in der Roten Fahne.[1] Die Taktik der Parteizentrale geht nun dahin, die Weddinger Opposition zu spalten und die aufbegehrenden Arbeiter von ihren Führern zu trennen.[1] Zu diesem Zweck versuchte die Führung, den Organisationen im Lande den Eindruck zu vermitteln, die Opposition bestehe nur aus wenigen abtrünnigen Intellektuellen.[1] Besonders deutlich wurde dies in einer Veröffentlichung in der Roten Fahne, in der eine angebliche Erklärung der Weddinger Opposition abgedruckt wurde.[1] Dieses von einem gewissen Kötter unterzeichnete Schriftstück behauptete, die Opposition wolle sich der Parteidisziplin unterwerfen und wende sich von ihren Anführern ab.[1]

Dem Vorwärts zufolge hat sich diese Erklärung als ein offensichtliches Machwerk der KPD-Zentrale erwiesen.[1] Die wirkliche Opposition zwang die Rote Fahne zur Veröffentlichung einer Gegenerklärung. In dieser wird Kötter einstimmig als Renegat verurteilt.[1] Diese neue Resolution steht der ursprünglichen Erklärung der Siebenhundert in Schärfe nicht nach.[1] Wörtlich heißt es darin, die linke Opposition könne gegenüber der „diktatorischen und opportunistischen Parteiführung“ nur siegen, wenn sie die Einheit der deutschen Linken herstellt.[1] Die Unterzeichner — darunter zahlreiche Funktionäre wie Fritz Baumgärtner, Paul Böttcher und Friedrich Engel — werfen dem Zentralkomitee vor, eine „Ausschluss-Epidemie“ zu betreiben.[1]

Damit haben sich sämtliche oppositionellen Elemente innerhalb und außerhalb der Partei auf einer gemeinsamen Plattform formiert.[1] Die geschlossene Gruppe ist organisatorisch so schlagkräftig, dass sie die KPD lahmlegen kann.[1] Der angekündigte kommunistische Parteitag wird sich daher nicht mehr nur mit dem Hinauswurf einiger Kritiker beschäftigen.[1] Er muss vielmehr über die künftige Existenz der Partei entscheiden.[1]