Die politische Gerüchteküche in der preußischen Landeshauptstadt kommt nicht zur Ruhe. Wie die Kölnische Zeitung meldet, sah sich der Vorsitzende der preußischen Landtagsfraktion der Deutschen Volkspartei nun veranlasst, eine offizielle Erklärung zu den angeblichen Verhandlungen mit dem Zentrum abzugeben.[1] In der Tagespresse zirkulierten zuletzt vermehrt Nachrichten, wonach die Volkspartei mit einer konkreten Anregung zur Bildung einer Großen Koalition an das Zentrum herangetreten sei.[1]
Diesen Darstellungen wird vonseiten der Fraktionsführung energisch widersprochen. Der Fraktionsvorsitzende ließ verlauten, dass diese Meldungen schlicht unwahr seien.[1] Hintergrund der weitreichenden Spekulationen war eine Zusammenkunft zwischen Dr. Leidig und Dr. Heß, die in parlamentarischen Kreisen für erhebliches Aufsehen gesorgt hatte.[1]
Dem Bericht der Badischen Presse zufolge handelte es sich bei diesem Treffen jedoch keineswegs um offizielle sondierende Verhandlungen.[2] Sollte im Rahmen dieser Unterhaltung zwischen den Mitgliedern der beiden Parteien die Frage der sogenannten Großen Koalition tatsächlich Gegenstand der Erörterung gewesen sein, so habe diese Diskussion „lediglich theoretischen Wert“ besessen, wie es in der Stellungnahme der Fraktion heißt.[1][2] Es ist nicht ungewöhnlich, dass Politiker im privaten Rahmen einen derartigen Gedankenaustausch pflegen.[1]
Allerdings stellte die Parteiführung unmissverständlich klar, dass weder die Landtagsfraktion noch der Fraktionsvorstand der Deutschen Volkspartei zu einer solchen Besprechung einen Auftrag erteilt hätten.[1][2] Darüber hinaus liege dem Vorstand über diese private Unterredung keinerlei offizielle Mitteilung vor.[2] Die Deutsche Volkspartei bemüht sich demnach, jeden Anschein zu vermeiden, dass sie hinter den Kulissen eine Regierungsumbildung in Preußen vorbereitet. Ein solches Vorgehen könnte im ohnehin fragilen Gefüge des Landtags Misstrauen wecken. Die Entschiedenheit des Dementis zeigt, wie sensibel das parteipolitische Gleichgewicht in der preußischen Landespolitik derzeit ist.