Über dem Hamburger Hafen braut sich ein ernster Arbeitskonflikt zusammen, der den maritimen Güterumschlag in naher Zukunft empfindlich stören könnte. Nachdem die Hamburger Hafenarbeiter am vorgestrigen Abend in einer Abstimmung den Ausstand formell beschlossen haben, droht die vollständige Lahmlegung der Kaianlagen.[1] In dieser äußerst kritischen Situation hat das Reichsarbeitsministerium umgehend vermittelnd eingegriffen und versucht nun, einen allerletzten Versuch zur Abwendung der massiven Arbeitsniederlegung zu unternehmen.[1][2]
Die Vertreter der Arbeitgeber sowie der Arbeitnehmerschaft sind von behördlicher Seite zu neuen Schlichtungsverhandlungen berufen worden; diese sollen am 30. September in Berlin stattfinden.[1] Nach Angaben der Sächsischen Staatszeitung, die sich auf Berichte des Berliner Tageblatts stützt, rechnet man bei einem Scheitern dieser ministeriellen Vermittlung mit dem definitiven Beginn des Streiks am 1. Oktober.[2] Nach vorläufigen Schätzungen dürften etwa 10.000 Arbeiter am Ausstand aktiv beteiligt sein. Dies verdeutlicht das Ausmaß der drohenden Auseinandersetzung.[2]
Ob die diplomatische Intervention der Reichsbehörden in der Lage ist, den bereits beschlossenen Streik noch in geregelte Bahnen zu lenken oder gar zu verhindern, wird in informierten Kreisen stark bezweifelt.[1] Laut der Badischen Presse gibt vor allem das bisherige Verhalten der linksradikalen Elemente im Hamburger Hafen erheblichen Anlass zur Sorge.[1] Es besteht die Befürchtung, dass diese Gruppierungen die strikte Parole der Gewerkschaftsorganisationen — namentlich das Ergebnis der neuen Vergleichsverhandlungen in der Reichshauptstadt zunächst abzuwarten — missachten werden.[1] Beobachter halten es vielmehr für wahrscheinlich, dass diese Kräfte die organisatorische Disziplin durchbrechen und einen wilden Streik auslösen könnten, was die offiziellen Bemühungen zunichtemachen würde.[1]