Die internationalen Verhandlungen zur Gründung eines europäischen Stahlkonsortiums stehen unmittelbar vor dem erfolgreichen Abschluss. Nach Angaben der Los Angeles Times gilt die endgültige Unterzeichnung des Abkommens, das die Montaninteressen Frankreichs, Deutschlands, Belgiens und Luxemburgs zusammenfassen soll, inzwischen als gesichert.[1] Ein wesentliches Hindernis konnte offenbar durch eine Einigung über die belgischen Produktionsmengen aus dem Weg geräumt werden. Demnach erhält Belgien eine feste Quote von 295.000 Tonnen.[1] Zugleich mussten die belgischen Unterhändler akzeptieren, keine Forderungen auf eine höhere Zuteilung zu erheben, falls die Gesamtförderung des internationalen Kartells in der Zukunft gesteigert werden sollte.[1]

Die Erwartung dieses weitreichenden Abschlusses hat den deutschen Montanwerten bereits deutliche Impulse verliehen. Aus dem Westfälischen Merkur geht hervor, dass das Privatpublikum an der Börse verstärkt mit Kaufaufträgen hervortrat. Dadurch entwickelte sich eine insgesamt freundliche Tendenz.[2] Insbesondere die Papiere der Vereinigten Stahlwerke erfuhren besondere Beachtung und verbuchten nennenswerte Kursgewinne.[2] Auch der übrige Montanaktienmarkt zeigte sich robust. Rheinisch-westfälische Gesellschaften wie Rheinstahl, Harpener, Essener Steinkohlen und Schlesische Zink standen mit Zuwächsen von bis zu zwei Prozent im Vordergrund.[2] Diese zuversichtliche Stimmung an den Märkten wurde durch eine ausgesprochen reichliche Geldversorgung gestützt. Etwaige Ultimobefürchtungen traten daher rasch in den Hintergrund.[2]

Der Aufschwung der heimischen Montanindustrie wird zudem durch die anhaltenden Arbeitskämpfe im Ausland begünstigt. Laut dem Westfälischen Merkur befasste sich eine in Düsseldorf abgehaltene Reichskonferenz des alten Bergarbeiterverbandes eingehend mit dem andauernden Streik im englischen Kohlenbergbau.[2] Die deutschen Bergarbeiter beschlossen, ihre Bemühungen zur Unterbindung der Kohlenausfuhr nach England fortzusetzen.[2] Gleichzeitig wurde die finanzielle Unterstützung für die streikenden britischen Kollegen von 150.000 auf insgesamt 250.000 Mark erhöht.[2] Die fortdauernde Lähmung der britischen Montankonkurrenz dürfte die Marktposition des neuen europäischen Kartells in den kommenden Monaten weiter festigen.