Die philippinische Unabhängigkeitsbewegung hat einen neuen, bemerkenswerten Vorstoß zur Erlangung der staatlichen Souveränität unternommen. Wie die Washington Post unter Berufung auf amerikanische Nachrichtenagenturen meldet, traten der Senat und das Repräsentantenhaus der philippinischen Legislative am gestrigen Mittwoch zu einer außerordentlichen gemeinsamen Sitzung zusammen.[1] Dabei verabschiedeten die Parlamentarier einstimmig eine Resolution, die eine „sofortige, absolute und vollständige Unabhängigkeit“ der pazifischen Inselgruppe von den Vereinigten Staaten von Amerika einfordert.[1]

Dem formellen Beschluss war am Vortag eine entsprechende Billigung durch den Obersten Nationalrat der Philippinen vorausgegangen. Dies unterstreicht die geschlossene Haltung der einheimischen Führungsschicht.[1] Aus Berichten der Los Angeles Times geht hervor, dass sich die gesetzgebende Versammlung von diesem Schritt eine erhebliche politische Wirkung für ihre nationale Sache erhofft.[2]

Die einstimmige Annahme der Resolution stellt einen weiteren Höhepunkt in den andauernden Auseinandersetzungen zwischen der amerikanischen Zivilverwaltung und den philippinischen Nationalisten dar. Generalgouverneur Leonard Wood ist seit seinem Amtsantritt mit dem zunehmenden Widerstand der Unabhängigkeitsbefürworter konfrontiert. Die philippinischen Politiker berufen sich fortlaufend auf die Zusagen der amerikanischen Bundesregierung aus dem Jahr 1916. Damals war den Bewohnern des Archipels die Erlangung der vollen Autonomie zugesichert worden, sobald eine funktionsfähige und stabile einheimische Regierungsgewalt etabliert sei.

Die Parlamentarier in Manila vertreten nun beharrlich den Standpunkt, dass diese Bedingung bereits erfüllt sei. Die unmissverständliche Forderung nach sofortiger und absoluter Eigenstaatlichkeit bringt das Kabinett in Washington in erhebliche Bedrängnis, insbesondere im Hinblick auf die strategische Bedeutung der Inseln.[1] Die amerikanische Bundesregierung muss nun einen Weg finden, auf den parlamentarischen Druck zu reagieren, ohne die ohnehin belasteten Beziehungen zu den philippinischen Politikern weiter zu verschärfen. Eine baldige Übergabe der Souveränität gilt in Washington derzeit jedoch als äußerst unwahrscheinlich.