Die Ford Motor Company in Detroit gibt bekannt, dass sie nach einer zweimonatigen Probezeit dauerhaft zur Fünf-Tage-Woche übergeht.[1] Obschon keine generellen Lohnerhöhungen vorgenommen wurden, sollen die Arbeiter unter dem neuen System in fünf Tagen dasselbe verdienen wie zuvor in sechs.[1] Wie die Kölnische Zeitung betont, handelt es sich hierbei jedoch nicht um einen Akt reiner Arbeiterfürsorge, sondern um eine Steigerung der Arbeitsleistung, da das alte Sechs-Tage-Pensum nunmehr in verkürzter Zeit erbracht werden muss.[1] Die Geschäftsleitung hoffe, dass bald alle Angestellten die Vorteile des Systems nutzen können. Allerdings vermuten Beobachter, dass Ford mit dieser Maßnahme entweder eine Produktionseinschränkung oder eine weitere Rationalisierung des Erzeugungsapparats bezweckt.[1]

Den Berichten des Vorwärts zufolge stellte Henry Ford klar, dass es sich bei dieser Maßnahme keineswegs um ein plötzliches Experiment handele.[2] Vielmehr sei der Schritt das Ergebnis von Versuchen, die sich über drei bis vier Jahre erstreckten, in denen abwechselnd an fünf oder sechs Tagen gearbeitet wurde.[2] Die Erfahrung habe gezeigt, dass die Produktion in fünf Tagen mindestens ebenso hoch sei wie in sechs, da der zeitliche Zwang automatisch zu effektiveren Methoden führe.[2]

Hinter der Arbeitszeitverkürzung steht offenbar weniger ein Lohnproblem als eine gezielte Absatzstrategie. In einer Unterredung mit der Wiener Neuen Freien Presse erklärte der Industrielle: „Die Kurzarbeit muss kommen; denn ohne sie wird das Land nicht imstande sein, seine Produktion zu absorbieren und wohlhabend zu bleiben.“[2] Je mehr gut bezahlte freie Zeit den Arbeitern zur Verfügung stehe, desto mehr stiegen ihre Bedürfnisse. — Ein gut geführtes Unternehmen zahlt laut Ford hohe Löhne und verkauft zu niedrigen Preisen.[2]

Während die Kölnische Zeitung diese Verbindung von hochkapitalistischer Entfaltung und sozialer Entwicklung als Spitzenleistung würdigt,[1] nutzt das Hamburger Echo den Anlass für scharfe Kritik an den heimischen Industriellen.[2] Das deutsche Unternehmertum habe zwar die Antreiberei am Fließband von Ford übernommen, stehe aber weiterhin dem Achtstundentag ablehnend gegenüber und schwäche durch beständigen Lohndruck die Kaufkraft auf dem Inlandsmarkt.[2]