Die andauernden Diskussionen der internationalen Presse über das ungelöste Verhältnis zwischen dem Heiligen Stuhl und dem italienischen Staat haben den Osservatore Romano zu einer bedeutsamen Klarstellung veranlasst.[1] Wie der Pariser Figaro berichtet, veröffentlichte das vatikanische Organ eine Note, in der die sogenannte Römische Frage schonungslos beleuchtet wird.[1] Entgegen der Behauptung liberaler Kreise, die das Problem für endgültig erledigt hielten, wird nun in der Öffentlichkeit wieder verstärkt die unbestreitbare Brisanz der Situation wahrgenommen.[1]

Das vatikanische Blatt weist darauf hin, dass die Lage des Heiligen Stuhls seit nunmehr sechsundfünfzig Jahren im Wesentlichen unverändert geblieben ist.[1] Der Papst besitzt faktisch lediglich ein Nutzungsrecht an den Apostolischen Palästen und trägt zugleich die schwere Verantwortung für die dort aufbewahrten künstlerischen und wissenschaftlichen Schätze.[1] Es wird betont, dass der Stellvertreter Christi, der als souveränes Oberhaupt einer geistlichen Gesellschaft Hunderte von Millionen Gläubigen auf der ganzen Welt zählt, nicht einmal Eigentümer seiner eigenen Residenz ist.[1]

Obwohl der Papst Repräsentanten aller Staaten und zahlreiche Pilger empfängt, erscheint er in der Stadt Petri juristisch lediglich als ein „Geduldeter“.[1] Dem Figaro zufolge beklagt der Vatikan außerdem den auffälligen Umstand, dass die dem Pontifex zugestandenen Vorrechte und Immunitäten sogar hinter denen der beim Heiligen Stuhl akkreditierten Diplomaten zurückbleiben.[1] Während diese Gesandten unter dem Schutz des internationalen Rechts handeln und im eigenen Hause Herren sind, bleibt dem Papst eine vergleichbare rechtliche Souveränität über seinen unmittelbaren Wohnsitz verwehrt.[1]