Das Direktorium der faschistischen Partei ist in diesen Tagen unter dem Vorsitz von Benito Mussolini zusammengetreten, um auf das jüngste Attentat gegen den Regierungschef zu reagieren.[1] Wie die Madrider Zeitung El Sol berichtet, wurden bei dieser Zusammenkunft neue, weitreichende Befehle zur Ausmerzung der antifaschistischen Opposition im In- und Ausland erlassen.[1] Das Regime zeigt sich entschlossen, jede abweichende politische Aktivität rigoros zu unterdrücken.[1]

Welche konkreten Formen diese sogenannten ‚Verteidigungsmaßnahmen‘ annehmen sollen, lässt sich aus den Forderungen der Parteipresse ablesen. Laut El Sol fordert das radikale Blatt Impero nicht weniger als die vollständige Unterdrückung aller Wahlen und das endgültige Ende des Parlamentarismus.[1] Zudem wird eine Reorganisation und Verstärkung der Schwarzhemden-Milizen verlangt.[1] Den Höhepunkt der Forderungen bildet der Ruf nach einer Reform des Strafgesetzbuches, die ausdrücklich die Wiedereinführung der Todesstrafe vorsehen soll.[1] Die faschistischen Hardliner vertreten offen die Ansicht, man sei gegenüber den Besiegten bislang zu nachsichtig gewesen und müsse nun die letzte Wurzel des Widerstands beseitigen.[1]

Der Feldzug richtet sich gegen die verbliebenen Reste der unabhängigen Presse und Zivilgesellschaft. Die Parteiführung verlangt die Beseitigung der kommunistischen Unità, der Voce Repubblicana, des traditionsreichen Avanti! und der populären Stampa.[1] Auch die alte Gewerkschaftskonföderation soll als Überbleibsel der Vergangenheit zerschlagen werden.[1] Dass das Regime den vollständigen Gehorsam der Gesellschaft anstrebt, zeigt sich an einem weiteren Vorhaben: Selbst die katholischen Pfadfinder sollen aufgelöst werden, da sie angeblich die Entwicklung der faschistischen Jugendorganisationen behindern.[1]

Während die inneritalienische Repression einen neuen Höhepunkt erreicht, sucht Mussolini außenpolitisch Rückendeckung. Wie die Sächsische Staatszeitung meldet, empfing er in Livorno den britischen Außenminister Austen Chamberlain.[2] Das Treffen, das auf den Jachten Dolphin und Giuliana stattfand, demonstrierte nach außen große Harmonie.[2] Einem Bericht des Pariser Figaro zufolge betonte das offizielle Kommuniqué die engere Verbindung der britisch-italienischen Beziehungen.[3] Chamberlain selbst wies kritische Nachfragen von Journalisten jedoch zurück und erklärte knapp, man habe über Politik „sehr wenig gesprochen“.[2]