Auf der fünften Konferenz der Internationalen Union gegen die Tuberkulose, die derzeit im Hotel Mayflower tagt, zeichnet sich ein ermutigender Fortschritt im Kampf gegen die Schwindsucht ab.[1] Wie die Washington Post berichtet, betonte Dr. Gerald B. Webb von der Tuberkuloseschule in Colorado in seinem Vortrag, dass neben der klassischen Ruhekur nun auch präventive Schutzimpfungen greifbare Erfolge zeigten.[1] Besondere Erwähnung fand dabei das von dem französischen Forscher Professor Albert Calmette entwickelte Serum. Webb attestierte diesem Präparat äußerst bemerkenswerte Resultate.[1]

Hinter dieser internationalen Würdigung steht eine jahrzehntelange Forschungsarbeit — Calmette hatte sie bereits Mitte Juli auf einer Fachtagung in Paris ausführlich dargelegt.[2] Dem Hong Kong Telegraph zufolge galt es zunächst, dem Tuberkelbazillus seine tödliche Giftigkeit zu nehmen, ohne ihn abzutöten.[2] Da der Erreger durch eine schützende Fettschicht außerordentlich widerstandsfähig ist, behandelten die Forscher ihn mit einer fünfprozentigen Lösung aus Ochsengalle.[2] In dreizehnjähriger Laborarbeit und nach 230 aufeinanderfolgenden Kultivierungen entstand so der nach seinen Erfindern benannte Impfstoff B.C.G. (Bacille Bilié Calmette-Guérin).[2] Dieser abgeschwächte Bazillus kann im menschlichen Gewebe überleben und Abwehrkräfte mobilisieren, ohne die Krankheit selbst auszulösen.[2]

Nachdem Versuche an Jungtieren durchweg günstige Resultate geliefert hatten, wurde das Präparat an Säuglingen erprobt.[2] Zwischen Mitte 1924 und Mitte 1926 hat man allein in Frankreich mehr als elftausend Neugeborene geimpft.[2] Die bisherigen Beobachtungen sind sehr vielversprechend: Während die Sterblichkeitsrate bei Neugeborenen aus tuberkulösem Umfeld in Paris normalerweise bei 32 Prozent und in den übrigen Landesteilen bei 24 Prozent liegt, sank sie bei den geimpften Kindern auf unter ein Prozent.[2] Diese Zahlen unterstreichen anschaulich die Bedeutung der neuen Methode im internationalen Kampf gegen die Tuberkulose.