Der Besuch von 150 Berliner Gästen unter Führung des früheren Landtagsabgeordneten Ommert verdeutlichte in diesen Tagen die enge Verbundenheit der Saar mit dem Reich.[1] Bei einem feierlichen Empfang im Rathaus betonte der Saarbrückener Beigeordnete Dr. Bauer, das Saargebiet sei ein unabtrennbarer Teil Deutschlands.[1] Dennoch formiert sich jenseits der Grenze erheblicher politischer Widerstand gegen eine rasche Rückgliederung. Nach Angaben des Harburger Tageblatts wendet sich die Patriotische Liga des Moselgebietes scharf gegen eine vorzeitige Räumung der Saar.[2] Die französische Organisation befürchtet, dass eine Verkürzung des Sonderregimes den deutschen Glauben an eigene Stärke fördern und zu immer neuen Forderungen führen werde.[2] Zudem argumentieren die Nationalisten, dass von Deutschland in Aussicht gestellte finanzielle Sonderentschädigungen leicht einen neuen „Fetzen Papier“ darstellen könnten, da das Reich gleichzeitig betone, die Lasten des Dawes-Plans nicht in vollem Umfang tragen zu können.[2]

Neben den politischen Hürden bereitet vor allem die künftige Zoll- und Wirtschaftsproblematik große Sorgen. Die Badische Presse analysiert detailliert den drohenden Konkurrenzkampf zwischen der Saarkohle und der Ruhrkohle, sobald das Saargebiet wieder in das deutsche Zollgebiet integriert ist.[1] Durch die gegenwärtige Zollabschnürung konnte die Ruhrkohle in Deutschland bedeutende Marktanteile auf ehemaligen Saar-Absatzgebieten erobern.[1] Infolge der ungünstigen Transportlage wären die Saarkohlen durch hohe Frachtkosten derart vorbelastet, dass sie ohne energische Gegenmaßnahmen kaum wettbewerbsfähig blieben.[1] Auch der fortschreitende Ausbau der Wasserstraßen im Reich verschärft die Situation. Hinzu kommt die zunehmende Elektrifizierung, die den allgemeinen Kohlenbedarf verringert.[1] Eine unvorbereitete Rückkehr zum deutschen Markt könnte für die ansässige Bergbaubevölkerung erhebliche Arbeitslosigkeit nach sich ziehen.[1]

Um die Absatzfähigkeit der Gruben zu erhalten — als künftiger Eigentümer wird in unterrichteten Kreisen ohnehin der preußische Staat angesehen —, werden neue Verkehrswege diskutiert, da ein Drittel der Saarbevölkerung unmittelbar vom Bergbau abhängt.[1] Ein Lösungsansatz ist der Plan eines Saarpfalz-Kanals nach Ludwigshafen.[1] Diese projektierte Wasserstraße von etwa 130 Kilometern Länge böte eine um 80 Kilometer kürzere und somit günstigere Verbindung als die ebenfalls erwogene Saar-Mosel-Kanalisierung nach Koblenz.[1] Von Ludwigshafen aus ließen sich die süddeutschen Märkte, insbesondere in Bayern, sowie Österreich deutlich wirtschaftlicher erschließen.[1] Die Experten betonen allerdings, dass sich das Projekt mangels konkreter Kostenanschläge noch in den allerersten Anfängen befinde und zudem mit lebhaftem Widerstand aus dem Ruhrgebiet gerechnet werden müsse.[1]