In der mittelchinesischen Wirtschaftsmetropole Hankau haben sich die seit Wochen schwelenden antibritischen Spannungen in einer gefährlichen Machtdemonstration entladen. Wie die in Hongkong erscheinende China Mail berichtet, fand am Dienstag eine außerordentlich große Protestversammlung statt, die sich unmittelbar gegen die britische Präsenz richtete und den umstrittenen Beschuss der Stadt Wanhsien zum Anlass nahm.[1] Radikale Agitatoren schüren gezielt den Zorn der Menge, indem sie die aktuellen Ereignisse, ähnlich wie nach den blutigen Schießereien in Shanghai im vergangenen Jahr, für ihre anti-imperialistische Propaganda ausnutzen.[1] Dass es bei dem Aufmarsch nicht zu massiven Plünderungen kam, ist den strikten Sicherheitsvorkehrungen zu verdanken. Eine geplante Prozession der Demonstranten durch das Stadtgebiet konnte durch das rasche Zusammenwirken lokaler chinesischer Truppen und britischer Marineinfanterie rechtzeitig verhindert werden.[1]

Die Lage am Jangtsekiang bleibt jedoch äußerst angespannt. Aus diesem Grund hat die britische Admiralität ihre Präsenz auf dem Fluss deutlich verstärkt. Der Oberbefehlshaber der britischen China-Flotte, Admiral Edwyn Alexander-Sinclair, hat sich persönlich auf dem Kreuzer HMS Despatch nach Hankau begeben.[1] Gleichzeitig laufen Unterstützungsmaßnahmen im tieferen Landesinneren. Das Kanonenboot HMS Mantis sowie der bewaffnete Handelsdampfer Kiawo verließen Wanhsien mit dem Ziel Tschungking (Chongqing), um dort den britischen Angestellten Hilfe zu leisten, die sich in einer isolierten Lage befinden.[1] Die Unsicherheit wird durch die militärische Gesamtsituation in China verstärkt. Der Hong Kong Telegraph meldet umfangreiche Truppenbewegungen im Umland: Mehrere tausend Soldaten der aufständischen Süd-Armee sollen im Bezirk Hankau operieren und sich gegen die alliierten Truppen der Zentralregierung im Sektor von Tayeh behaupten.[2]

Die weitreichenden politischen Konsequenzen der militärischen Zwischenfälle zeigen sich derweil auf dem diplomatischen Parkett in Europa. Dem Pariser Figaro zufolge bereitet die chinesische Regierung in Peking eine formelle Note vor, in der von der Regierung in London empfindliche Reparationen für die Zerstörungen in Wanhsien sowie die harte Bestrafung der verantwortlichen britischen Offiziere gefordert werden.[3] Falls Großbritannien ablehnt, drohen die chinesischen Behörden mit der einseitigen Aufhebung jener Verträge, die sie als illegal betrachten, und mit erheblichen Einschränkungen für fremde Kriegsschiffe in chinesischen Hoheitsgewässern.[3] Der chinesische Delegierte beim Völkerbund in Genf, Sao Ke Sze, unterstrich diesen harten Kurs in einem Interview und fragte die britische Presse ausdrücklich: „Glauben Sie, dass 400 Millionen Menschen durch Kanonen erobert werden können?“[3] Solange nach Ansicht des Diplomaten die Ausländer die chinesische Souveränität missachten, sei der Widerstand eine gerechte Sache; notfalls werde er, wie er erklärte, selbst mit einem Bambusstock in den Kampf ziehen.[3]