Die Nachrichtenagentur „Central News“ meldet aus Buenos Aires ernsthafte Erschütterungen der inneren Ordnung in Brasilien.[1] Demnach hat General Prestes in den entlegenen Gebieten nahe der Grenze zu Bolivien eine bewaffnete Militärrevolte gegen die amtierende Regierung organisiert.[1] Wie der Vorwärts präzisiert, hat diese revolutionäre Bewegung im Bundesstaat Mato Grosso ihren Ausgang genommen.[2]
Angesichts der Bedrohung durch die aufständischen Formationen hat die staatliche Führung in Rio de Janeiro offenbar umgehend Gegenmaßnahmen eingeleitet. Nach den vorliegenden Berichten der Deutschen Allgemeinen Zeitung werden bereits reguläre Regierungstruppen zusammengezogen, um gegen die Revolutionäre in Marsch gesetzt zu werden.[1] Das Aufmarschgebiet der loyalen Verbände konzentriert sich dabei vornehmlich auf die bedrohte Grenzregion zu Bolivien. Dort suchen die Rebellen des Generals Prestes momentan ihren Rückhalt.[1]
Eine offizielle Bestätigung der Vorgänge durch die brasilianischen Auslandsvertretungen steht jedoch noch aus. Die Gesandtschaft Brasiliens in London erklärte auf Nachfrage, sie habe von derartigen Vorgängen in ihrem Heimatland bisher keinerlei Kenntnis.[1] Dass militärische Erhebungen in den südamerikanischen Staaten für die europäische Öffentlichkeit keine Seltenheit sind, findet auch in den Kommentaren der hiesigen Presse Ausdruck. So versah der Vorwärts die erste Mitteilung über die Erhebung mit dem zynischen Kommentar, es sei „endlich wieder eine Revolution“ ausgebrochen.[2] Ob die brasilianischen Diplomaten in London tatsächlich im Unklaren gelassen wurden oder ob die Regierung den Aufstand bewusst zunächst geheim hält, bleibt angesichts der spärlichen Nachrichtenlage aus Südamerika abzuwarten.[1]