Während die Öffentlichkeit dem Prozess gegen die Attentäter auf den Reichsminister des Auswärtigen aufmerksam folgt, führt Dr. Gustav Stresemann seine Regierungsgeschäfte unbeeindruckt fort. Wie die Badische Presse meldet, trat der Auswärtige Ausschuss des Reichstages in Berlin zusammen, um die jüngsten diplomatischen Entwicklungen zu erörtern.[1] Zu der Sitzung erschienen neben Stresemann auch die Minister Dr. Külz, Dr. Curtius, Dr. Bell und Dr. Haslinde. Die Abgeordneten sowie die Vertreter der Länder waren fast vollzählig anwesend.[1]
Im Schatten der juristischen Aufarbeitung der Anschlagspläne legte der Außenminister seinen Bericht über den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund und die vertraulichen Besprechungen in Thoiry ab.[1] Auch das militärische Vorkommnis von Germersheim wurde beraten.[1] Trotz extremistischer Bedrohungen im Inland setzt die deutsche Diplomatie ihren Kurs der Verständigung unbeirrt fort.
Diese konsequente Haltung findet auch außerhalb Deutschlands Beachtung. Nach Angaben der Moskauer Prawda betonte Stresemann in Bezug auf internationale Konflikte unlängst, dass Deutschland grundsätzlich bereit sei, sich der Entscheidung eines jeden rechtmäßigen Tribunals zu unterwerfen.[2] Solche Erklärungen zur friedlichen Streitbeilegung rufen in Teilen der radikalen Opposition naturgemäß heftige Reaktionen hervor.[2] Dennoch zeigt die ungestörte Fortführung der Ausschussarbeit unter der Leitung des Abgeordneten Hergt, dass die physischen und politischen Angriffe auf den Architekten der deutschen Außenpolitik deren Kontinuität nicht zu beeinträchtigen vermögen.[1]