Unter starker Beteiligung von Delegierten aus dem gesamten Reich, einschließlich der Vertreter aus Danzig und dem Saargebiet, hat die fünfte Bundestagung des Deutschen Beamtenbundes ihre Beratungen aufgenommen.[1] Im Mittelpunkt des dreitägigen Kongresses steht ein historischer Zusammenschluss. Es handelt sich um die endgültige Einigung des Beamtenbundes mit dem Christlichen Gesamtverband deutscher Gewerkschaften.[2]

Der Bundesvorsitzende Flügel würdigte in seiner Eröffnungsansprache den Zusammenschluss als eine entscheidende Etappe, um die gesamte deutsche Beamtenschaft in einer großen Organisation zusammenzufassen.[3] Die neue Einheitsfront stehe fest auf dem Boden der republikanischen Verfassung und bekenne sich zur Neutralität in parteipolitischen und konfessionellen Fragen.[3][2] Gleichzeitig warnte Flügel nachdrücklich vor einem erneuten Beamtenabbau, der ein schwerer Irrtum gewesen sei und sich nicht wiederholen dürfe.[2] Den Plänen zur Verwaltungsreform des Reichsfinanzministers Peter Reinhold müsse aufs Schärfste entgegengetreten werden.[2] Wie das Berliner Tageblatt berichtet, stieß ein Referentenentwurf des Reichswirtschaftsministeriums auf einhellige Ablehnung. Der Entwurf sehe für die deutsche Beamtenschaft lediglich einen einzigen Vertreter im endgültigen Reichswirtschaftsrat vor.[2] Darüber hinaus forderte die Versammlung einstimmig, die Polizeibeamten in das allgemeine Beamtenrecht zu übernehmen und den Landbeamten das Einheitsgehalt zu gewähren.[2]

Die politische Tragweite der Tagung wurde durch die Anwesenheit der Reichsregierung unterstrichen. Angeführt wurde sie von Kanzler Wilhelm Marx, Reichsinnenminister Wilhelm Külz sowie dem preußischen Ministerpräsidenten Otto Braun.[3] Während der Begrüßungen wurden die Zustände bei der Bahn angesprochen. Aus dem Saal ertönte der Zwischenruf: „Wo ist die Reichsbahngesellschaft?“. Die anwesenden Bahnbeamten unterstützten dies mit stürmischem Beifall.[4] In seiner anschließenden Rede bezeichnete Reichskanzler Marx die vollzogene Einigung als eine besonders bedeutungsvolle Staatsaktion.[4] Die Regierung begrüße die Verschmelzung ausdrücklich, da Verhandlungen mit einer einzigen zentralen Stelle weit fruchtbarer seien als mit zahlreichen konkurrierenden Verbänden, bei denen stets einer den anderen zu übervorteilen versuche.[4] Marx forderte die Beamtenschaft eindringlich auf, die bestehende Staatsform bedingungslos zu stützen.[4] Für den deutschen Beamten dürfe es keine Frage der Staatsform mehr geben. Die Hauptaufgabe sei es, die Verfassung zu ehren und zu schützen. Dies müsse auch dem Ausland als Beweis nationaler Zuverlässigkeit gelten.[4] Als Antwort brachte der Vorsitzende Flügel ein Hoch auf die deutsche Republik aus, dem die Delegierten begeistert folgten.[4]

Auch der preußische Ministerpräsident Braun überbrachte die Glückwünsche seiner Regierung. Er betonte, dass die gewachsene Stärke der Organisation zwangsläufig das staatsbürgerliche Verantwortungsgefühl ihrer Führung erhöhen müsse.[4] Unterdessen erstattete Bundesdirektor Lockewitz Bericht über die zurückliegenden internen Verhandlungen.[2] Dem Berliner Tageblatt zufolge seien die Gespräche mit dem Allgemeinen Deutschen Beamtenbund bedauerlicherweise an organisatorischen Differenzen gescheitert. Dieser habe auf der uneingeschränkten Gleichberechtigung gemischter Organisationen bestanden.[2] Dennoch zeigte sich der Vorsitzende der freien Gewerkschaften, Gutsche, erfreut über das erreichte Bündnis.[3] Der Deutsche Beamtenbund erklärte abschließend, niemandem aus anderen gewerkschaftlichen Richtungen feindlich gegenüberzustehen und jederzeit zu einer sachlichen Zusammenarbeit bereit zu sein.[3][2]