Die Lage in der von südchinesischen Truppen belagerten Metropole Wuchang am Jangtsekiang nimmt zunehmend apokalyptische Züge an. Wie die Los Angeles Times meldet, sind die Straßen der zerschossenen Stadt mit Leichen übersät. Die verbliebene Zivilbevölkerung versucht in ihrer Verzweiflung, durch den Verzehr von Hunden, Katzen und Ratten dem Hungertod zu entgehen.[1] Die Nordtruppen des Marschalls Wupeifu (Wu Peifu) lehnen eine Kapitulation strikt ab und halten die Stadt weiterhin verbissen. Sie hoffen auf einen rettenden Entsatz durch die Armeen ihres Verbündeten Suntschuanfang (Sun Chuanfang).[2] Die kantonesischen Belagerer haben sämtliche Ausfallstraßen hermetisch abgeriegelt. Den Berichten zufolge warten sie gut versorgt auf den unvermeidlichen Fall der Festung.[2]

Die kurze Frist für Evakuierungen neigt sich ihrem Ende zu. Nach Angaben der Washington Post durften in den vergangenen Tagen Frauen und Kinder der ärmeren Schichten die Tore in Richtung des Flusses passieren.[2] Etwa 38.000 Menschen konnten durch Schiffe unter der Flagge des Roten Kreuzes auf das gegenüberliegende Ufer nach Hankow evakuiert werden.[2] Bei diesen Rettungsaktionen spielten sich grauenhafte Szenen ab: In der Panik um einen Platz auf den Booten wurden Hunderte zu Tode getrampelt oder ertranken in den reißenden Fluten des Jangtsekiang.[2]

Das Zeitfenster für weitere Hilfe schließt sich rasch. Die kantonesische Heeresleitung hat den Verteidigern mitgeteilt, dass am kommenden Sonntag die Stadttore endgültig geschlossen werden. Ein allgemeines Bombardement auf die Stadt des Leidens beginnt an diesem Tag.[2] Die Geschütze sollen vom Hanyang-Arsenal über den Fluss hinweg sowie vom Pagodenhügel auf die Eingeschlossenen abgefeuert werden.[2] Hankow und Hanyang, die industriellen Schwesterstädte Wuchangs, waren bereits Anfang September in die Hände der Süd-Armeen gefallen. Daraufhin musste sich Wupeifu mit seinen demoralisierten Verbänden in die nördliche Provinz Honan zurückziehen.[2]

Auch an den angrenzenden Frontabschnitten toben schwere militärische Auseinandersetzungen. Die in Moskau erscheinende Prawda bestätigt Berichte, dass die südlichen Truppen eine massive Offensive auf Nanchang vorbereiten.[3] Der China Mail zufolge führt der kantonesische Oberbefehlshaber Tschangkaischek (Chiang Kai-shek) die dortigen Eliteeinheiten persönlich an.[4] Suntschuanfang reagierte rasch. Er warf gemischte Brigaden zur Verteidigung der strategisch wichtigen Eisenbahnlinie an die Front.[4] Durch koordinierte Angriffe von zwei Seiten auf die Flanken des südlichen Generals Litsungdschien bei Te-an konnte die unmittelbare Gefahr für die Nordalliierten vorerst eingedämmt werden.[4]

Während Wupeifu in der Provinz Honan militärisch kaum noch in Erscheinung tritt, bemüht sich Suntschuanfang unterdessen intensiv um eine politische Neuordnung.[4] Berichten zufolge hat er der in Peking regierenden Fengtien-Partei des Marschalls Tschangtsolin (Zhang Zuolin) ein weitreichendes Bündnis gegen Tschangkaischek angeboten.[4] Zugleich verdichten sich die Hinweise, dass der Kommandeur der achten kantonesischen Armee, Tangshengtschi (Tang Shengzhi), separate Verhandlungen mit den Warlords des Nordens führt.[4] Die anhaltenden Kriegswirren in den Flussprovinzen betreffen auch ausländische Interessen unmittelbar. Laut letzten Depeschen wurde am 30. September das amerikanische Schiff Iling bei Kweichow-Fu von chinesischen Verbänden gekapert.[3]