Durch die deutsche und niederländische Presse geistern in diesen Tagen beharrliche Meldungen, denen zufolge Kaiser Wilhelm II. sein Exil zu verlassen und in absehbarer Zeit nach Deutschland zurückzukehren beabsichtigt.[1] Angeblich habe der ehemalige Monarch bereits bei der Regierung in Den Haag sowie im Londoner Kabinett sondieren lassen, wie man sich einer solchen Übersiedlung gegenüber verhalten würde.[1] Rein juristisch stünde einem Grenzübertritt des Kaisers zwar nichts im Wege. Dennoch bestehen diplomatische Verpflichtungen aus der Nachkriegszeit, die eine rasche Lösung ausschließen.[1] So existiert eine bindende Vereinbarung zwischen der niederländischen Regierung und der Entente. Es handelt sich um ein Abkommen, das unmittelbar nach dem Krieg getroffen wurde und vorsieht, dass jeder Wohnungswechsel des prominenten Exilanten überwacht und von einer ausdrücklichen Einwilligung der Siegermächte abhängig gemacht werden muss.[1]

Dem Pariser Figaro zufolge wäre es für die Alliierten vom rein rechtlichen Standpunkt aus zwar schwierig, einen Widerstand zu begründen, da sie bereits die Wahl Paul von Hindenburgs zum Reichspräsidenten und die Heimkehr des Kronprinzen toleriert hätten.[2] Dennoch würde die Rückkehr des ehemaligen Herrschers unweigerlich zu einer schweren politischen Belastungsprobe führen.[2] Die französische Zeitung kündigt an, dass das Außenministerium in Paris in einem solchen Fall unverzüglich und mit äußerster Entschiedenheit bei den Regierungen in Berlin und Den Haag vorstellig werden würde, um die Präsenz des „Hauptschuldigen des Krieges“ auf deutschem Boden unter allen Umständen zu verhindern.[2]

Als Grund für den erhofften Ortswechsel wird in ausländischen Berichten angeführt, das feuchte Klima in Holland sei der Gesundheit des Kaisers abträglich.[2] Als künftiger Wohnsitz wurde dabei das Schloss Homburg vor der Höhe in die Debatte geworfen.[1][2] Einem Bericht des Berliner Acht-Uhr-Abendblatts zufolge verweisen informierte Kreise diese Spekulationen unterdessen in das Reich der Fabel.[1] Die Nachrichten über eine baldige Rückkehr entbehren demnach jeder Grundlage.[1] Die Nennung des Schlosses Homburg im Rahmen des anstehenden Vermögensvergleichs mit dem Hause Hohenzollern stelle lediglich eine vorsorgliche Vereinbarung dar. Diese sei für den Fall gedacht, dass der Kaiser in späten Jahren doch noch einmal eine Heimkehr in Erwägung ziehen sollte.[1] Vorerst habe er jedenfalls unmissverständlich erklärt, seinen gegenwärtigen Wohnsitz nicht aufgeben zu wollen.[1]