Am vergangenen Wochenende hielten die Nationalsozialisten in der vormaligen schwarz-weiß-roten Residenzstadt einen sogenannten „Märker-Tag“ ab, der Anhänger der extremen Rechten aus ganz Brandenburg und Groß-Berlin zusammenführen sollte.[1] Die hochgesteckten Erwartungen der Organisatoren erfüllten sich jedoch nicht, denn die Veranstaltung stieß bei der Potsdamer Bevölkerung auf größte Reserviertheit, offene Ablehnung und erntete zum Teil sogar lautstarkes Gelächter.[1] In der ganzen Stadt hatte man laut Zeitungsberichten lediglich zwei Fahnen zur Begrüßung aus den Fenstern gehängt.[1] Dem Vorwärts zufolge glichen die Aufmärsche der Hakenkreuzler einer politischen Enttäuschung ersten Ranges, da die Veranstalter nicht einmal tausend Teilnehmer mit knapp zwanzig Fahnen, einer eigenen Musikkapelle und etwas Knüppelmusik auf den Straßen zusammenbringen konnten.[1] Auffällig war zudem, dass sich viele der Mitmarschierenden noch im zartesten jugendlichen Alter befanden und kaum den Eindruck einer machtvollen politischen Bewegung vermittelten.[1]

Auf dem Potsdamer Bassinplatz ergriff schließlich der nationalsozialistische Funktionär Gregor Strasser das Wort zu seiner vergleichsweise mageren Kolonne.[1] In seiner agitatorischen Rede erging er sich in heftigen Angriffen gegen die Weimarer Republik und diffamierte die Verfassung der Republik zynisch als „Barmat- und Kutisker-Verfassung“.[1] Ferner forderte der Redner, dass der alte Geist von Potsdam rasch wiederkehren müsse, und kündigte an, dass die Bewegung den Marxismus vollkommen zerschmettern werde.[1]

Diese radikalen Parolen bildeten offenbar den Auftakt für schwere Ausschreitungen in den Abend- und Nachtstunden.[1] Das provozierende Auftreten der Nationalsozialisten führte an verschiedenen Stellen der Stadt zu erheblichen, teils blutigen Schlägereien.[1] Der schwerste Zwischenfall ereignete sich in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag in der Kaiser-Wilhelm-Straße.[1] Wie die Sächsische Staatszeitung und das Hamburger Echo übereinstimmend melden, drang ein Trupp von etwa 30 völkischen Randalierern in ein dortiges Gewerkschaftslokal ein.[2][3] Die Angreifer gingen mit brutaler Gewalt vor und attackierten die anwesenden Gäste grundlos mit vorbereiteten Schlagringen und schweren Knüppeln.[1]

In dem Arbeiterlokal entwickelte sich rasch ein wüster Tumult und eine äußerst erbitterte Schlägerei.[1][2] Die gesamte Einrichtung der Gaststätte wurde bei dem Nahkampf, der auch mit zerschlagenen Stuhlbeinen und schweren Bierkrügen geführt wurde, vollständig demoliert.[1] Mehrere Gäste des Lokals erlitten bei dem Überfall erhebliche Verletzungen.[1][2][3]

Die rasch alarmierte Potsdamer Polizei sah sich gezwungen, mit aller Schärfe durchzugreifen.[2] Das Überfallkommando rückte in Stärke an und beendete den andauernden Tumult unter massivem Einsatz von Gummiknüppeln, um die Lage wieder unter Kontrolle zu bringen.[2][3] Die Beamten nahmen die Mehrzahl der nationalsozialistischen Angreifer, die sich wie Vandalen benommen hatten, noch am Tatort fest und brachten sie zur Wache.[1] Dabei kam es nach offiziellen Meldungen zu mehreren Zwangsgestellungen von Beteiligten.[2][3]