Der Umbau des italienischen Staates im Sinne einer faschistischen Diktatur schreitet mit unerbittlicher Konsequenz voran. Wie die Deutsche Allgemeine Zeitung aus Mailand berichtet, hat die soeben abgeschlossene Sitzung des Großen Rates eine Umwandlung der Parteiverfassung beschlossen. Diese Entscheidung ist nicht nur für die faschistische Organisation, sondern auch für das gesamte staatliche Gefüge Italiens von entscheidender Bedeutung.[1] Im Mittelpunkt der jüngsten Maßnahmen steht die Übernahme des direkten Kommandos über die faschistische Nationalmiliz durch Benito Mussolini persönlich.[1]
Mussolini, der vom König zum Oberbefehlshaber der gesamten bewaffneten Macht ernannt wurde, empfing ein Telegramm mit der Anweisung, fortan unmittelbar das Oberkommando der Miliz zu führen.[1] Die Tragweite dieses Schrittes erläuterte er sogleich in einem Aufruf an die Offiziere. Er übernehme die direkte Verantwortung für die Truppe und verschaffe ihr dadurch eine Stellung, die jener der regulären Einheiten gleichkomme.[1] Die Maßnahme bedeutet vor allem eine Aufwertung der Parteitruppen. Sie sichert der Nationalmiliz eine Position, die sie gegenüber dem Heer bislang nicht besaß.[1]
Nach Berichten des Pariser Temps richtete Mussolini anlässlich der Kommandoübernahme eine Depesche an den italienischen Monarchen, den er als obersten Chef aller bewaffneten Kräfte der Nation würdigte.[2] In diesem Schreiben betonte er, dass die in hundertfünfzig Legionen gegliederten Schwarzhemden aus ganz Italien ihren Eid, zu dienen und zu wagen, mit unveränderter Treue in die Hände des Königs erneuerten.[2] Gleichzeitig erließ Mussolini einen Tagesbefehl an die Miliz, in dem er die tiefere Bedeutung seiner Maßnahme darlegte. Die Übernahme des Kommandos bedeute den Auftrag, mit absoluter Hingabe zu gehorchen und jederzeit zur Verteidigung des Regimes bereit zu sein.[2] Dem Temps zufolge forderte er die Milizionäre auf, den scheidenden Befehlshaber, Prinz Gonzaga (Maurizio Ferrante Gonzaga), zu grüßen und Fahnen sowie Gewehre mit dem Ruf „Es lebe der Faschismus! A noi Mussolini!“ zu erheben.[2]
Die Einverleibung der Miliz in die direkten Machtbefugnisse Mussolinis wird von einer tiefgreifenden Neustrukturierung der Parteiführung begleitet. Der Generalsekretär wird künftig vom Duce ernannt und bestimmt seinerseits die Provinzsekretäre.[1] Der Parteikongress, das bisherige Parteiparlament, fällt ersatzlos fort.[1] Der Nationalrat wird zu einer bloßen Versammlung von Provinzsekretären, die lediglich die Befehle des Generalsekretärs entgegennehmen.[1] Im Großen Rat führt Mussolini den Vorsitz und kann diesen durch die Hinzuziehung geeigneter Persönlichkeiten beliebig ergänzen.[1]
Bezeichnend für die Verschmelzung von Staat und Partei ist der neue Eid, den die Parteimitglieder künftig ablegen müssen. Er lautet nach Angaben der Deutschen Allgemeinen Zeitung: „Ich schwöre, ohne Widerrede alle Befehle des Duce zu erfüllen und mit allen meinen Kräften und, wenn nötig, auch mit meinem Blute, der Sache der faschistischen Revolution zu dienen.“[1] Ein moralischer Konflikt bei der Frage „Vaterland oder Partei?“ ist nach offizieller faschistischer Auffassung fortan ausgeschlossen. Das faschistische Regime sei heute, nach dieser Auffassung, mit dem Vaterland identisch.[1][2] Die Konzentration der bewaffneten Macht unterstreicht diesen Anspruch des Duce nun auch militärisch.[1]