Südlich von Kansas liegt der Bundesstaat Oklahoma, in dem der Indianerstamm der Osagen beheimatet ist — ein Volk, das gegenwärtig als das reichste der Erde gilt.[1] Wie das Harburger Tageblatt ausführlich berichtet, beziehen die 2229 Angehörigen des Stammes ein geradezu astronomisches Einkommen aus ihren Ländereien.[1]
Die Ursache dieses Reichtums liegt in der Vorgeschichte der Besiedlung. Ursprünglich aus den Staaten Kansas und Missouri stammend, wurden die Osagen im Jahre 1868 von der amerikanischen Regierung zur Übersiedlung nach Oklahoma gezwungen.[1] Damals wurden sie mit einer Million Dollar für ihren alten Grundbesitz abgefunden.[1] Der neue Boden erwies sich jedoch als außerordentlich wertvoll, da er reiche Petroleum- und Silbervorkommen barg.[1] Während viele andere Stämme ihre Rechte an weiße Siedler verkauften, behielten die Osagen ihren Grundbesitz und zwangen die Regierung 1906 zu einem weitreichenden Abkommen.[1] Der Staat übernahm zwar den Betrieb der Minen und Bohrstellen, doch den Indianern verblieb das Eigentumsrecht samt einer direkten Gewinnbeteiligung.[1]
Die Erträge fließen in Form von vererbbaren Anteilscheinen an die Stammesmitglieder. Die jährliche Dividende betrug im letzten Jahr für jeden Anteil beachtliche 12.000 Dollar.[1] Dieser Reichtum lockte rasch Abenteurer und Spekulanten an, die versuchten, den Osagen überteuerte Luxuswaren zu verkaufen oder durch gezielte Eheschließungen in den Besitz ihres Vermögens zu kommen.[1] Um die Indianer vor weiterer Ausbeutung zu schützen, sah sich die Regierung gezwungen, energisch einzugreifen. Daher wurden viele Stammesmitglieder unter staatliche Kuratel gestellt.[1]
Das Straßenbild in der Stadt Pawhuska, dem Hauptsitz der Osagen, bietet heute einen eigentümlichen Anblick. Einem französischen Augenzeugen zufolge fahren die Indianer in eleganten Automobilen mit eigenen Chauffeuren vor.[1] Die Frauen tragen kostbare Kleider aus Paris, behalten jedoch das traditionelle Leinentuch bei, das sie sich über die modernen Roben werfen.[1] Die männlichen Stammesangehörigen wiederum haben das frühere Leben auf dem Kriegspfad hinter sich gelassen und neigen, da körperliche Anstrengungen entfallen, zunehmend zur Wohlbeleibtheit.[1]