Die Frage der interalliierten Schulden hält die französische Politik weiterhin in Atem. Wie der Pariser Figaro berichtet, überreichten französische Kriegsbeschädigte dem Ministerpräsidenten Poincaré ein Memorandum, in dem sie nachdrücklich gegen die Ratifizierung der Schuldenabkommen protestieren.[1][2] Diese Verträge, namentlich das Mellon-Bérenger- und das Caillaux-Churchill-Abkommen, stoßen in weiten Teilen der Öffentlichkeit auf erbitterten Widerstand.[1][2] Poincaré erklärte in seiner Antwort an die Delegationen, dass die Französische Republik nur zu Zahlungen verpflichtet werden könne, die mit ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit vereinbar seien.[1][2]
Die Debatte über die finanzielle Stabilisierung Europas wird derweil auch jenseits der französischen Grenzen intensiv geführt. Nach Angaben des Figaro betonte Winston Churchill unlängst, dass für die europäischen Staaten der Zeitpunkt gekommen sei, ihre Währungen zu stabilisieren oder andernfalls durch eine verfehlte Politik in den Ruin zu geraten.[2] Die amerikanische Regierung habe bei den bisherigen Verhandlungen Rücksicht auf die Zahlungsfähigkeit der Schuldner genommen und sich in den ersten Jahren der Tilgungsperiode nachsichtig gezeigt.[2] Für Frankreich stellt jedoch der Wiederaufbau der durch den Krieg verwüsteten Gebiete eine enorme Belastung dar. Bei der Schuldenfrage darf dieser Umstand nicht außer Acht gelassen werden. Andernfalls droht Frankreich, seinen Rang als Großmacht zu verlieren.[2]
Kritische Stimmen in der französischen Presse fordern offene Neuverhandlungen. Der Publizist Jacques Bainville rechnet vor, dass die im Raum stehenden Erlöse aus einer möglichen Kommerzialisierung deutscher Zahlungen kaum ausreichen würden, um auch nur eine der von England und den Vereinigten Staaten geforderten Jahresraten zu decken.[2] Er warnt davor, dass Frankreich am Ende als einziger Schuldner dastehen werde, während die Amerikaner die alleinigen Gläubiger blieben.[2] Dass die Währungsstabilisierung indes eine grenzüberschreitende Aufgabe bleibt, zeigt sich an parallelen diplomatischen Bemühungen: Laut dem Harburger Tageblatt weilt der Gouverneur der belgischen Notenbank, Louis Franck, derzeit in Paris, um mit der Regierung und der Bank von Frankreich über die Stützung des belgischen Franc zu beraten.[3]