Wie die Washington Post meldet, haben maßgebliche politische Kräfte in Indiana erreicht, woran lokale Politiker bisher gescheitert waren: Die Enthüllungen des ehemaligen Großdrachen des Ku-Klux-Klans bleiben vorerst unter Verschluss.[1] D. C. Stephenson, der noch vor wenigen Monaten die Landespolitik in Indiana dominierte und nun eine lebenslange Haftstrafe verbüßt, erschien am gestrigen Nachmittag vor der Anklagejury von Marion County.[1] Er blieb jedoch nur eine knappe Stunde im Vernehmungsraum und verweigerte nach verlässlichen Informationen jede substanzielle Aussage.[1] Sein Schweigen überraschte viele Beobachter, zumal er zuvor angekündigt hatte, wichtige Kenntnisse öffentlich zu machen.[1]
Dem Bericht zufolge deutet alles auf eine parteiübergreifende Übereinkunft hin, den drohenden Skandal zu vertuschen.[1] Weder die Demokraten drängen auf eine Fortführung der Ermittlungen, noch wird der Untersuchungsausschuss des Bundessenats in dieser Angelegenheit tätig werden.[1] Der Senator von Missouri, James A. Reed, lehnt eine Einberufung seines Ausschusses strikt ab.[1] Zuvor hatte Clyde A. Walb, der Vorsitzende der Republikaner in Indiana, behauptet, internationale Bankiers hätten Geld in den Vorwahlkampf des Bundesstaates eingebracht.[1]
Trotzdem verdichten sich die Hinweise auf Korruption in höchsten Ämtern. Aus der Washington Post geht hervor, dass Floyd Christian, ein ehemaliger Anwalt des inhaftierten Klanführers, die Vorwürfe von Thomas H. Adams, dem Initiator der Untersuchung gegen Stephenson, bestätigt habe.[1] Christian erklärte, er habe die Beweisstücke, welche sich weiterhin im Besitz Stephensons befinden sollen, persönlich gesehen.[1] Darunter befinde sich ein Scheck über 5000 Dollar, der direkt auf den Namen des amtierenden Gouverneurs Edward Jackson ausgestellt sei.[1]
Obwohl Stephenson während der Befragung schwieg, gewann die Ermittlungsleitung dennoch einen deutlichen Eindruck von seinem Auftreten. Staatsanwalt Will H. Remy bemerkte nach dem knapp einstündigen Termin, dass Stephensons Verhalten selbst eine Aussage dargestellt habe.[1] Der frühere Klanführer hatte bereits in einem Zivilprozess, unter Berufung auf seine verfassungsmäßigen Rechte, die Aussage verweigert, um sich nicht selbst zu belasten.[1]
Bereits in den frühen Morgenstunden trat der Verurteilte — einen Tag früher als geplant — die Rückreise in die Haftanstalt am Rande des Bundesstaates an.[1] Die erneute Einweisung in das Gefängnis von Michigan City beendete vorläufig eine geheimnisvolle Reise, die offenbar darauf abzielte, politische Enthüllungen im letzten Augenblick zu verhindern.[1]