Ministerpräsident Raymond Poincaré ist in der vergangenen Nacht von seiner Informationsreise durch Elsass-Lothringen in die Hauptstadt zurückgekehrt.[1] Während seines Aufenthalts in Colmar hatte der Regierungschef unter anderem das örtliche Schulwesen inspiziert.[2] Laut dem Matin wohnte er einer deutschen Unterrichtsstunde in einer höheren Schulklasse bei.[2] Er äußerte dabei die Ansicht, dass der Unterricht in der deutschen Sprache überall dort erweitert werden könne, wo er bislang nicht ausreiche. Auf diese Weise solle den Anhängern eines zweisprachigen Unterrichts Genugtuung verschafft werden.[2] Bei einem Besuch einer Dorfschule im Breuschtal ließ er sich zudem von den Fortschritten im französischen Unterricht überzeugen.[2]
Hinter den Kulissen der Reise gärt jedoch die Unzufriedenheit über die zentralistische Administration. Wie der Avenir veröffentlicht, hat der elsässische Senator Helmer dem Ministerpräsidenten eine Denkschrift übergeben, in der er die Probleme der Region in ruhiger, aber wirksamer Weise schildert.[2] Helmer betont darin, dass die deutsch sprechenden Elsässer einen ungenügenden Unterricht in ihrer Sprache erhielten. Dadurch werde die elsässische Seele in einem überaus heiklen Punkt verletzt.[2] Ferner beklagt der Senator, dass zahlreiche Beamte und Richter die deutsche Sprache nicht verstünden.[2] Die Rechtsanwälte beklagen die unglücklichen Auswirkungen der gegenwärtigen Gerichtsverfahren, weil die Richter die elsässische Mundart nicht beherrschten.[2] Die französische Verwaltung stehe laut Helmer nicht auf der Höhe ihrer Aufgabe und sei an den für sie unvorteilhaften Vergleichen mit der früheren deutschen Administration selbst schuld. Er fordert folglich in aller Kürze eine „Reinigung des Beamtenkörpers“.[2]
Ein weiterer Streitpunkt bleibt das Vorgehen gegen die Autonomiebewegung.[3] Abbé Müller, ein Deputierter für Elsass-Lothringen, verlangte gegenüber Poincaré die Aufhebung der verhängten Sanktionen gegen den Heimatbund, während Senator Taufflieb eine strikte Aufrechterhaltung der Maßnahmen forderte.[3]