Der Vollzugsausschuss des britischen Bergarbeiterverbandes hat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, sich in einen ‚Zentralkriegsrat‘ umzuwandeln und das Hauptquartier in der kommenden Woche von London in die Midlands zu verlegen.[1][2][3] Genauer gesagt soll das neue Zentrum des Streiks in den Büros in Basford in der Grafschaft Nottinghamshire eingerichtet werden.[1] Dieser Schritt markiert den Versuch, den Arbeitskampf in einer verschärften Form fortzusetzen, nachdem die Mehrheit der Bergarbeiter in den Bezirken für eine solche Maßnahme gestimmt hatte.[2][3]

Das Hauptziel des neu formierten Rates besteht darin, in jenen Bergwerksdistrikten einen massiven Feldzug gegen die Grubenbesitzer und gegen die Wiederaufnahme der Arbeit zu führen, in denen der Rückstrom der Arbeiterschaft in die Schächte zuletzt am stärksten war.[2] Dies betrifft insbesondere die mittelenglischen Reviere.[3] Die Exekutive hat aus diesem Grund die dem Parlament angehörenden Bergarbeitervertreter aufgefordert, unmittelbar in die Midlands zu reisen.[1][4] Sie sollen dort durch intensive Agitationsarbeit erreichen, dass jene Männer, die bereits an ihre Arbeitsplätze zurückgekehrt sind, erneut dem Streik beitreten.[3][5]

Um den Streik materiell abzusichern, hat der Vollzugsrat ein Schreiben an den Generalrat des Gewerkschaftskongresses gerichtet.[2] Darin wird die Einberufung einer geheimen Sonderkonferenz gefordert.[2][3] Auf dieser Zusammenkunft soll eine allgemeine Abgabe zur finanziellen Unterstützung der Streikenden durch andere Gewerkschaften sowie eine strikte Einfuhrsperre für ausländische Kohle beschlossen werden.[2][3][5] Wie der Hong Kong Telegraph jedoch anmerkt, werden diese Beschlüsse in Londoner Kreisen vielfach als ‚Pläne der Verzweiflung‘ gewertet.[1] Mehrere Gewerkschaftsführer haben bereits unmissverständlich zu erkennen gegeben, dass ein Embargo auf Importkohle und eine finanzielle Umlage praktisch nicht durchführbar seien.[3][4][5]

Ein weiterer Vorstoß richtet sich auf die sogenannten Sicherheitsmänner, die bislang für den Erhalt der Grubenanlagen sorgten. Es ist eine Konferenz mit dem Führer dieser Gruppen, Mr. Shirkie, anberaumt worden.[2] Die Absicht der Bergarbeiterführung ist es, diese Mannschaften aus den Schächten abzuziehen.[1][4] Dem Berliner Tageblatt zufolge dürfte dieser Plan kaum den gewünschten Erfolg haben, da die einzelnen Ortsgruppen der Sicherheitsverbände gegen eine derartige Maßnahme Bedenken anmelden.[2] Einen Hinweis darauf, welchen Radikalisierungsgrad der Konflikt mittlerweile erreicht hat, gibt eine Äußerung des Sekretärs des Bergarbeiterverbandes, Arthur Cook. Wie die Pravda berichtet, erklärte Cook unumwunden: „Den Bergarbeitern bleibt nichts anderes übrig, als die Waffen einzusetzen, über die sie verfügen, selbst wenn dies die Überflutung der Schächte bedeutet.“[6]

Gleichzeitig wird der Ton in der politischen Auseinandersetzung schärfer. Sekretär Cook warf den Führern der Arbeiterpartei und der parlamentarischen Opposition vor, sie hätten bei dem Angriff auf die Bergleute mit den Grubenbesitzern und der Regierung gemeinsame Sache gemacht.[3] Auch auf liberaler Seite zeigt der andauernde Arbeitskampf Wirkung. H. H. Asquith nahm in einer lang erwarteten Rede in Greenock Stellung zum Konflikt und zu den Ereignissen des Generalstreiks.[2] Während er die anfängliche Weigerung der Bergleute, unter verschlechterten Bedingungen zu arbeiten, als rechtmäßig anerkannte, verurteilte er den Generalstreik scharf.[2] Dieser sei, so der Lord, ein ungesetzlicher Versuch gewesen, die Autorität des Parlaments durch eine Klassendiktatur zu ersetzen.[2] Unterdessen hat die Bergarbeitervereinigung von Warwickshire dementiert, den bekannten Gewerkschafter Frank Hodges ausgeschlossen zu haben; man habe ihn lediglich zum Rücktritt aufgefordert.[4][5]

Die Verschärfung der Lage zeigt sich auch bei gewaltsamen Ausschreitungen und gerichtlichen Urteilen. In Avondale in der walisischen Grafschaft Glamorgan überfielen mehrere Hundert streikende Bergarbeiter die lokalen Grubenanlagen.[3] Bei den anschließenden Zusammenstößen mit der Polizei, die die Menge zerstreuen musste, wurden laut dem Harburger Tageblatt 35 Bergleute und 12 Polizeibeamte schwer verletzt.[7] Die Behörden greifen hierbei hart durch: In Normanton wurde ein junger Bergarbeiter zu drei Monaten Zwangsarbeit verurteilt, weil er Flugblätter verteilt hatte, die zur Bildung von Massenstreikposten aufriefen.[6] Der Konflikt befindet sich damit in einer immer heftigeren Phase.