Die Vereinigten Staaten erleben derzeit eine beispiellose Welle der Gewalt, die von organisierten Banden ausgeht.[1][2] Wie die Los Angeles Times berichtet, eskaliert in Chicago ein offener Krieg rivalisierender Schmuggler um die Vorherrschaft im illegalen Alkoholgeschäft.[1] Im Mittelpunkt der Kämpfe befinden sich die Gefolgsleute von Al Capone und die Reste der Bande des ermordeten Dion O'Bannion.[1] Letzterer war von der feindlichen Fraktion um John Torrio beseitigt worden. Drei vermeintliche Freunde besuchten ihn in seinem Geschäft; während einer ihm die Hand schüttelte, schossen die anderen ihn nieder.[1] Danach übernahmen die Kriminellen Hymie Weiss und McCarthy den lukrativen Bierschmuggel.[1] Nun fiel auch Weiss bei einem Angriff mit Maschinengewehren auf der North State Street den Kugeln der gegnerischen Bande zum Opfer.[1] Die Schwerkriminellen, deren Organisation nach Angaben der Ermittler über 200 Mitglieder zählt, residieren ohne behördliche Belästigung in luxuriösen Hotelsuiten.[1]

Die lokalen Behörden im Bezirk Cook sind der Lage nicht mehr gewachsen.[1] J. Davis, der Vorsitzende der örtlichen Vereinigung für bessere Regierungsführung, erklärte gegenüber der kalifornischen Zeitung, dass die städtische Strafverfolgung zusammengebrochen sei und die Mörder keine Angst vor Verhaftung hätten.[1] Er betonte: „Unsere einzige Hoffnung ist das Eingreifen der Regierung.“[1] Mittlerweile ermitteln 200 Bundesagenten in der Metropole am Michigansee.[1]

Auch an der Ostküste nimmt das Bandenwesen überhand.[2] In Elizabeth im Bundesstaat New Jersey überfielen acht bewaffnete Täter einen Posttransport und erschossen dabei einen Angestellten.[3][2] Laut der Washington Post entkamen die Räuber mit einer Beute von 151.700 Dollar.[3] Obwohl die Behörden einen Ring aus 500 Beamten der Staatspolizei und Freiwilligen in den Watchung-Bergen errichteten, entkamen die Täter.[3] Dem Westfälischen Merkur zufolge wird der Schaden ersten Schätzungen nach sogar auf bis zu 300.000 Dollar beziffert.[2]

Der amerikanische Generalpostmeister erklärte nach einer Kabinettssitzung in Washington, dass kein Land der Welt so viele Postüberfälle aufweise wie die Vereinigten Staaten.[2] Er kündigte an, beim Kongress die sofortige Einführung der Todesstrafe für Posträuber zu beantragen.[2] Unterdessen untersucht die Kriminalpolizei der Hauptstadt den Mord an dem Kriminalbeamten Arthur Scrivener.[3] Nach Angaben der Ermittler wird eine weibliche Vertraute des Opfers gesucht.[3] Wie aus Polizeikreisen verlautet, hatte der getötete Beamte kurz vor seinem Tod eine beträchtliche Geldsumme aufgebracht, um dieser Frau bei Geldnot behilflich zu sein.[3]