Die überraschende Regierungskrise in der jugoslawischen Hauptstadt hat eine vorläufige Wendung erfahren. Ministerpräsident Nikola Usunowitsch, der noch am Samstag gemeinsam mit seinem gesamten Kabinett den Rücktritt eingereicht hatte, zog sein Demissionsgesuch am gestrigen Sonntag überraschend wieder zurück.[1][2] Die Ministerien werden ihre Amtsgeschäfte nun regulär fortsetzen.[1] Nach Berichten der Washington Post gilt die akute Kabinettskrise in Belgrad damit formell als beendet.[2]

Der unerwarteten Demission waren langanhaltende und tiefe Zerwürfnisse innerhalb der Regierung Usunowitsch vorausgegangen.[1][2] Die Spannungen erreichten in der Nacht zum Freitag ihren vorläufigen Höhepunkt. In den Vorräumen des Ministerpräsidenten kam es zu einem schwerwiegenden Eklat.[1] Wie die Los Angeles Times meldet, wurde der amtierende Unterrichtsminister Stefan Raditsch (Stjepan Radić) von einem Kabinettskollegen aus den Reihen der Radikalen Partei tätlich angegriffen.[1]

Trotz der Rücknahme des Rücktritts bleibt die innenpolitische Lage des Landes weiterhin unsicher. Sämtliche Bemühungen um eine Aussöhnung zwischen den serbischen Radikalen und der politischen Gefolgschaft von Raditsch sind bislang gescheitert.[2] Unter diesen Umständen ist in politischen Kreisen die Überzeugung weit verbreitet, dass der gegenwärtige Burgfrieden innerhalb der Regierung nur von sehr kurzer Dauer sein dürfte.[1][2]