In den diplomatischen Zirkeln am Genfer See wächst die Sorge um den Fortgang der internationalen Abrüstungsbemühungen. Politische Beobachter, welche die Verhandlungen des Völkerbundes aus nächster Nähe verfolgen, betrachten die zu erwartenden Ergebnisse mit ausgesprochener Skepsis.[1] Nach wochenlangen Vorgesprächen ist in der amerikanischen Delegation die Überzeugung gereift, dass in einer fundamentalen Frage tiefgreifende Meinungsverschiedenheiten bestehen — nämlich hinsichtlich der Methode, mit der die Stärke der verschiedenen Kriegsflotten künftig begrenzt werden soll.[1]

Wie die Los Angeles Times meldet, stehen sich in den maritimen Ausschüssen zwei unversöhnliche Lager gegenüber.[1] England, Italien und Japan dringen darauf, die Rüstungsbeschränkungen auf Basis der Gesamttonnage einer Flotte zu berechnen.[1] Die Vereinigten Staaten und Frankreich fordern hingegen eine strikte Limitierung nach einzelnen Schiffsklassen, insbesondere bei Kreuzern und U-Booten.[1] Das amerikanische Blatt erläutert die strategischen Motive Großbritanniens, das wegen der Enge des Ärmelkanals sowie seiner weitreichenden Interessen im Mittelmeer auf die Erhaltung einer starken Kreuzerflotte pocht.[1] Italien hingegen beabsichtigt, die Kampfkraft seiner bestehenden Seestreitkräfte weiter zu erhöhen.[1]

Im Kern dieser Auseinandersetzung steht das Bestreben Washingtons, mit der britischen Seemacht Schritt zu halten.[1] Die amerikanische Delegation wünscht, eine verbindliche Obergrenze für die Kreuzerstärke festzulegen, über die weder Großbritannien noch Japan hinausgehen dürfen.[1]

Die Flottenfrage lässt sich indes nicht isoliert von den Landrüstungen und den Sicherheitsbedürfnissen des europäischen Kontinents betrachten. Dem Bericht zufolge verknüpfen Staaten wie Polen, die Tschechoslowakei und Jugoslawien die Abrüstungsfrage untrennbar mit ihrem eigenen Schutzbedürfnis. Dieses ist noch immer stark von den Nachwirkungen des Weltkrieges und der Furcht vor Deutschland geprägt.[1] Andere Nachbarn der Sowjetunion, darunter wiederum Polen sowie Finnland, werden laut der kalifornischen Zeitung eine Verkleinerung ihrer Landarmeen nur dann in Erwägung ziehen, wenn gleichzeitig Abkommen mit den westlichen Großmächten zustande kommen.[1]

Die Vereinigten Staaten und Japan vertreten demgegenüber den Standpunkt, dass ein Flottenpakt als separates Vertragswerk abgetrennt von den kontinentalen Truppenstärken verhandelt werden müsse.[1] Das gesamte Problem der globalen Rüstungskontrolle droht an dieser Verknüpfung von maritimen und territorialen Interessen zu scheitern. Ein einziger Lichtblick bleibt nach Einschätzung der Los Angeles Times bestehen: der ausgeprägte Wunsch der europäischen Staaten, den Frieden und das Einvernehmen mit den Vereinigten Staaten zu wahren.[1] Dieser Umstand allein könnte die festgefahrenen Verhandlungen vor dem endgültigen Zusammenbruch bewahren.[1]