Die deutsch-französischen Besprechungen, die in Thoiry ihren vielversprechenden Anfang nahmen, scheinen vor einem neuen, entscheidenden Stadium zu stehen.[1] Der deutsche Botschafter in Paris, von Hoesch, weilt derzeit in Berlin, um sich mit Außenminister Stresemann eingehend zu beraten.[1] Wie der Pariser Temps unter Berufung auf Berliner Blätter meldet, rechnet man damit, dass von Hoesch bei seiner Rückkehr an die Seine gegen Ende der kommenden Woche Mitteilungen überbringen wird, die den Fortgang der Verhandlungen maßgeblich fördern dürften.[1] Die Vorarbeiten der deutschen interministeriellen Kommission für die in Thoiry aufgeworfenen Fragen stehen demnach kurz vor dem Abschluss. Die eigentlichen Verhandlungen der beiderseitigen Delegierten können daher in Kürze beginnen.[1]
Auch auf französischer Seite zeigt sich ein deutlicher Wille zur Verständigung, nachdem der Parteitag der Radikalsozialisten eine Resolution verabschiedete, welche die Politik von Locarno und Thoiry ausdrücklich billigt und den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund als wesentlichen Schritt zur Befriedung Europas begrüßt.[1] Unterdessen wächst auch die Einsicht in die Notwendigkeit einer raschen Räumung der besetzten Gebiete.[1] So berichtet der Figaro von Warnungen aus sozialistischen Reihen, wonach die Aufrechterhaltung der Rheinlandbesatzung nicht länger zu rechtfertigen sei.[2] Solange diese andauere, müsse mit weiteren Konflikten gerechnet werden, wie der bedauerliche Zwischenfall von Germersheim gezeigt habe.[2]
Diese außenpolitische Annäherung findet ihren Rückhalt in der Haltung der rheinischen Bevölkerung.[1] Reichsminister Dr. Bell betonte nach seiner Reise durch das besetzte Gebiet, dass er dort keinerlei feindseligen Meinungen gegenüber dem Geiste der Verständigung begegnet sei.[1] Der dringende Wunsch der Rheinländer nach baldiger und vollständiger Räumung sei frei von nationalistischen Leidenschaften und gehe mit der vollen Billigung der Verständigungspolitik einher.[1]
Ein zentraler Punkt der Thoiry-Gespräche bleibt die Mobilisierung der deutschen Reichsbahn-Obligationen.[1] Aus Washingtoner Regierungskreisen verlautet, dass eine eventuelle Vermarktung dieser Papiere unabhängig von der Ratifizierung des französisch-amerikanischen Schuldenabkommens geprüft würde.[1] Dem Temps zufolge dürften die alliierten Regierungen daher zunächst internationale Bankiers konsultieren, bevor sie offizielle Schritte in den Vereinigten Staaten unternehmen.[1]